Schmierentheater

Samstagvormittag. Im Kaffeehaus wimmelt es von Gästen, es strotzt vor Menschen allerorts. Über allen Dingen Frühstücker, Mütter und Kinder. Ein durchgehendes Plärren und Weinen ist zu vernehmen. A und B würden sich die Ohren zuhalten, gälte dies als angemessene Entgegnung. Stattdessen schauen sie schlechtgelaunt dem Treiben zu. Sogar B blinzelt von seiner Lokalzeitung hervor.

A. dessen Worte aus dem Lärm hervortauchen und in ihm wieder untergehen …ist zu einem Kindercafé verkommen! Zu einem Mütter- und Kindercafé! Das ist doch eine … sondergleichen …

B. Ich verstehe Sie kaum.

A. Wie?

B. Ich verstehe Sie nicht.

A. lauter Samstags verkommt das einstig stolze Kaffeehaus zu einem Kinder- und Müttercafé. Man versteht seine eigenen Worte nicht. Es ist ein Skandal!

B. Wir sind uns einig.

A. Wie?

B. Wir sind uns ganz einig.

A. Die einen stillen, die andern füttern ihre plärrenden Balgen so. Sehen Sie! Die einen werfen sich Schinkenstücke und ganze Eier in den Mund, aus den Mäulern der andern trieft Milch und Orangensaft. Schaut nur!, dies Schmierentheater!, dies unerträglich‘ Szenario!

B. wirsch auf seine Zeitung deutend Nicht einmal dem Artikel kann ich folgen.

A. Keine Hunde, keine Kinder, keine Lokalblätter!

B. Wie?

A. Wie? Fragen Sie rhetorisch?

B. Keine Hunde, keine Kinder, keine Lokalblätter? In dieser Reihenfolge?

A. Ganz richtig. Und keine Mütter.

Pause.

A. Und keine Frühstücker.

B. Was bliebe?

A. Ruhe und Streit.

Ab.


Humorismus

Im Kaffeehaus. A trinkt vom Kaffee, B nippt am Tee. Die Tasse am Mund und in der Absicht, den Kaffee bis auf den Grunde auszutrinken, legt A den Kopf so weit in den Nacken, dass der Vorgang seinem Gesicht eine schmerzerfüllte Färbung verleiht. Missmutig blickt er in die Tasse zurück. Seinem Gesichtsausdruck ist nun die Unentschlossenheit abzulesen, ob er eine neue Tasse bestellen solle oder nicht. Er lässt es mit einem verächtlichen Blick auf B bewenden, der munter und gutgelaunt die Zeitung umblättert.

A. zögerlich Diese Weihnachtszeit, meinen Sie nicht auch?

B. weiterlesend Was hat’s mit der Weihnachtszeit?

A. Nunja, sie ist mir unpässlich immerzu.

B. Dies mag liegen im Wesen jener Zeit.

A. Nun werden Sie mir nicht poetisch.

B lächelt in sich hinein, und dem allfälligen Beobachter bleibt der Zweifel, ob dieses Lächeln dem in der Zeitung Gelesenen oder dem eigenen Bemerkten gilt. A starrt übelgelaunt wie ehedem vor sich hin.

Pause.

A. Und wissen Sie, was mich gleichsam am meisten an der von Ihnen sogenannten Weihnachtszeit irritiert, ja regelrecht abstößt? Wissen Sie das?

B. Nein.

A. Der Humorismus.

B. Humorismus?

A. Humorismus.

B. Und was – er seufzt – was meinen Sie mit Humorismus?

A. Mit Humorismus verstehe ich eine Haltung, die, auf Humor abgesehen, Humor verfehlt.

B. Das meine ich durchaus zu verstehen.

B liest weiter in der Zeitung.

Pause.

Nach einiger Zeit blickt B auf A, dem unübersehbare Ungeduld aufs Antlitz geschrieben steht. Mit plötzlichem Schwung stöhnt B auf, legt die Zeitung zusammen und auf den Tisch und wendet sich ganz A zu.

B. Geben Sie mir doch ein Beispiel, an dem Sie Humorismus ausmachen.

A. Der Humorismus, er steckt überall, er lauert einem auf im friedlichsten Moment, man ist nie sicher vor ihm. Es schlendert einem einer entgegen, man denkt kein Schlechtes über ihn, spricht ihn als alten Bekannten an und bekommt von ihm einen Humorismus übern Schädel gezogen. Unvorbereitet. Wie aus dem Hinterhalt! Der Humorismus zeigt sich im besten Gewand, bevor er sein wahres Gesicht enthüllt. Man geht offenherzig in einen Laden, um ein Stück Butter zu kaufen, und der Humorismus überfällt einen und knebelt einen nieder. Naiv und leichtgläubig glaubt man, sich mit einem Menschen zu unterhalten, man begrüßt sich herzlich, schüttelt die Hand, erkundigt sich nach dem Befinden, teilt sich mit, und mit einem Mal schlägt er einem den Humorismus mit der flachen Hand ins Gesicht. Man hüte sich vor Humorismus! Die Vöglein pfeifen ein friedvolles Lied, und der Postbote verscheucht sie mit seinem Humorismus. Und man entkommt ihm nicht! Man müsste sich einsperren, einkerkern. Man müsste jegliche Kontaktaufnahme aus dem Weg gehen. Aber dann zeigen die Leute auf einen und sagen, man sei verrückt geworden. Dabei sind die die Verrückten, die nicht eine einzige Unterhaltung führen können, ohne humoristisch sein zu müssen.

A, der, erregt, nach seiner Kaffeetasse greift, wird gewahr, dass diese leer ist.

B. Nun sagen Sie mir schon ein Beispiel.

A. Gut, ich sage Ihnen ein Beispiel, es fällt mir nicht schwer, eines auszumachen, man braucht ja nur den Blick zu wenden, Humorismen überall.

B. Zum Beispiel?

A. Zum Beispiel die durch und durch überkommene, vollkommen verfehlte, bestenfalls viertellustige, nicht einmal vorgestrige, vollkommen sinnfreie, einfallslose, öde, unoriginelle und ermüdende humoristische Übersetzung politischer Gesinnung in Farben.

B. Wie bitte?

A. Der eine, ein Humorist, sagt zum anderen, dem Humorismusopfer, er trage einen roten Pullover, also sei er ein Roter! Und dann lacht der eine, und der andere ist wie vor den Kopf gestoßen, nicht, weil er beleidigt ist, sondern weil er im ersten Moment nichts versteht von den humoristischen Bemühungen des einen. Hier handelt es sich nicht einmal um Humorismus, hier handelt es sich um Durchschnittshumorismus. Oder der eine spricht den humoristisch gemeinten Verdacht aus, der andere sei ein Nazi, er trage immerhin schon braune Cordhosen. Nicht einmal ein müdes Lächeln! Den Kopf schüttelte ich und ließ ihn auf der Straße stehen.

B. Wen?

A. Den einen.

Pause.

A. Trinken Sie noch einen Tee?

B. Schwarz!

Ab.


Der Tisch II

Im Kaffeehaus. A und B nicht zugegen. Ihr Tisch steht leer, niemand sitzt an ihm, die beiden Stühle, die längst von einem dritten getrennt wurden, seitdem sich A und B als Stammgäste verstanden, sind ungebraucht um den Tisch platziert, auf dem ein Kärtchen steht. Darauf, sieht man genau hin oder beugt sich lesebebrillt mit dem Kopf darüber, ist das Wörtchen „Reserviert“ zu lesen.

Ein Mann betritt den Raum, distinguiert im Auftritt, Gleichgültigkeit ins Gesicht geschrieben, was sich daran zeigt, dass er die anderen Gäste als Individuen keines einzigen Blickes würdigt. Dies liegt nun nicht an einer aufgesetzten Attitüde, die sich einer allgemeinen Indolenz verschrieben hätte, um sich gefahrloser durch die Welt zu bewegen, sondern entspricht dem aufrichtigen Charakter des Mannes. Er erspäht unwillkürlich, als hätte er nicht hingesehen, As und Bs freien Tisch und bewegt sich ihm entschlossenen Schrittes zu: Der Kellner, pflichtbewusst die Disponibilität des Tisches überwachend, kann den Mann nur noch sitzend erreichen. Er will dem Mann die Sachlage erklären, stößt aber auf Widerstand. Der Mann wolle von einem A und einem B nichts hören, der Kellner soll ihm besser einen Kaffee bringen. Dieser, für einen Moment aus der Fassung gebracht und im Versuch, sich einer Konfrontation auszusetzen, überlegt es sich anders und erinnert sich trotz des Hochhaltens stammgastlicher Gepflogenheiten seiner Kaffeeeinnahmen. Etwas betrübt und bange folgt er dem Wunsch des Gastes und verlässt die Szene.

Einige Zeit vergeht, der Kellner bedient die Gäste, der Mann trinkt seinen Kaffee. B betritt den Raum. Er durchschreitet das Kaffeehaus seinem Tische zu, als wäre ihm eine andere Bewegung nicht denkbar, und setzt sich auf den freien Stuhl neben dem vom Mann besetzten. Beim Platznehmen seufzt er erleichtert und schaut ins Leere. Dann dreht er den Kopf und erblickt den Mann.

B. Nanu?

Der Mann sieht hoch und B ins Gesicht, seine Miene verrät keine Anteilnahme.

Der Mann. Guten Tag.

B starrt ihn an.

B. Sie sitzen falsch.

Der Mann. Wie meinen Sie?

B. Nun, Sie sitzen falsch.

Der Mann. Ich wüsste nicht, dass ich vom Stuhl rutschte. Nein, ich sitze ganz richtig, geradezu fest im Stuhl.

B. Übertragen, mein Herr, übertragen. Nicht buchstäblich. Sie wollen mir doch nicht weismachen, dass Sie nicht verstünden, was ich meine.

Der Mann. Sehen Sie sich um. Der Mangel an Sitzplätzen bewog mich, mich auf diesen zu bequemen.

B. Gut möglich kann dies sein. Auch wenn Sie notgedrungen sitzen, Sie sitzen ungeachtet dessen falsch.

Der Mann. Wie ich das sehe, haben Sie einen Stuhl und habe ich einen Stuhl, haben Sie einen Platz und habe ich einen Platz. Das will sich fügen.

B. Noch, mein Herr, noch.

B setzt sich, bestellt einen Tee und übersieht nicht ohne Genugtuung die Nervosität des Kellners. Er nimmt einen Zeitung zur Hand und beginnt zu lesen, der Mann starrt ins Leere. Einige Zeit verstreicht.

B murmelnd, wie zu sich Das will ein Vergnügen werden.

Der Mann. Wie bitte?

B murmelt einige Worte zur Antwort, finden aber kein Verständnis. B liest weiter, der Mann starrt ins Leere.

Nach einer halben Stunde betritt A das Kaffeehaus. Er gewahrt B, eilt dem Tisch entgegen und bleibt abrupt stehen. Seine Stirn legt sich in Falten, sein Blick überfliegt hilfesuchend den Raum. Behutsam nähert er sich dem Tisch und bleibt wie versteinert hochaufgerichtet vor B stehen.

A zu B, in schier verzweifeltem Ton, mit einer angedeuteten Kopfbewegung dem besetzten Stuhle zu Mein Platz.

B. Ja, Ihr Platz.

A. Aber…

B. Ich weiß.

B zuckt mit den Schultern und wendet sich wieder der Zeitung zu, die Seiten so vor die Nase haltend, dass er A nicht mehr im Sichtfeld hat. Der Kellner kommt herbei und zuckt, noch bevor A ein Wort sagen kann, gleichfalls mit den Schultern und verschwindet wieder. A steht einige Momente unschlüssig da.

A allmählich die Sprache wiedergefunden Ist’s unerhört? Oder der gewöhnliche Gang der Geschehnisse? Ich kann mich nicht entscheiden.

A blickt in die Runde, einmal zu B, einmal zum Mann.

A erleichtert auflachend Ein Missverständnis wird’s wohl sein, gewiss, ein bloßes Missverständnis, das aufzuklären keine große Mühe machen…

Der Mann zu A, ihm das Wort unterbrechend Ich bitte Sie, sprechen Sie doch ein wenig leiser, es kann Sie ja jeder hören. Oder führen Sie womöglich Selbstgespräche, dann empfehle ich Ihnen den Park.

B erlaubt sich einen Blick über den Zeitungsrand auf As große Augen. Dieser will ein Wort sagen, stammelt aber Unverständliches. Wieder vergeht einige Zeit, bis der distinguierte Mann eine Bewegung macht, eine Hand in die Hosentasche steckt, ihr einige Münzen entnimmt, sie auf den Tisch legt, sich erhebt und aus dem Bild geht. Er lässt einen zufriedenen B, einen entgeisterten A und einen peinlichberührten Kellner zurück.

B A zugewandt Nun, worauf warten Sie, nehmen Sie Platz, wollen Sie einen Kaffee, einen Tee?

A starrt auf B, nimmt eine starre Haltung an, dreht sich im Halbkreis und eilt aus dem Kaffeehaus. Der zurückgebliebene B faltet die Zeitung sorgfältig zusammen, legt sie auf den Tisch und verschränkt lächelnd die Hände hinter dem Kopf.


Der Tisch I

Im Kaffeehaus. A und B nicht zugegen. Ihr Tisch steht leer, niemand sitzt an ihm, die beiden Stühle, die längst von einem dritten getrennt wurden, seitdem sich A und B als Stammgäste verstanden, sind ungebraucht um den Tisch platziert, auf dem ein Kärtchen steht. Darauf, sieht man genau hin oder beugt sich lesebebrillt mit dem Kopf darüber, ist das Wörtchen „Reserviert“ zu lesen. Der gebeugte Leser könnte das Wörtchen als Verhöhnung verstehen, wenn er Zeuge einer Szene gewesen wäre, die sich kurz zuvor abspielte.

Ein Mann, eine Frau und ein Kind, das bereits auf der Schwelle plärrte, betraten das Kaffeehaus, der Mann ließ seinen Blick über die Gäste schweifen, der Blick fand keinen freien Tisch, der Mann machte einige Schritte zur Seite, bemerkte schließlich den freien Tisch mit dem kleinlauten Wörtchen „Reserviert“, nahm das Kind an die Hand, die Frau am Ärmel und zerrte beide in seine Richtung. Der Kellner stellte sich ihnen in den Weg, fragte nach dem Begehr. Der Mann übersetzte diese in allgemein verständliche Worte, in welchen der Tisch eine beträchtliche Rolle spielte. Der Kellner entschuldigte sich förmlich und gab zu verstehen, dass der Tisch unter keinen Umständen zu besetzen sei, der Mann warf einen unsicheren Blick darauf und erwiderte, dass niemand am Tisch sitze, der Kellner wiederholte seine Angabe, nun förmlicher. Der Mann, die Frau und das plärrende Kind warteten unschlüssig mitten im Raum, bis ein Tisch frei wurde. Die Frau strich fortan ihren Ärmel zurecht, das Kind plärrte chronisch und der Mann lugte misstrauisch und zunehmend verunsichert auf den leerbleibenden Tisch.

Da dies aber eine Theateranweisung des unsichtbaren Autors ist, kommt die Szene nicht zur Aufführung. Der Zuschauer muss sich als Leser mit dem Druck bescheiden. Damit wird der Zuschauer zum Leser degradiert.

Mit dem Fortgang der Zeit passiert Allerhand um den Tisch herum, der Tisch selbst aber bleibt unberührt, das Kärtchen verschiebt sich nicht, die Kaffeekarte bleibt ungelesen. Der Tisch sieht mehr nach einer Karikatur eines Tisches als nach einem Tisch aus. Der Kellner geht unruhig hin und her, bis es Abend wird und das Kaffeehaustreiben sich allmählich anschickt abzuklingen. Am Ende stößt dem Kellner eine Einsicht zu. Der Tisch wird für heute leerbleiben, A und B werden nicht zugegen sein.


Bekenntnis

Im Kaffeehaus. A und B lesen Zeitung.

A. ohne von der Zeitung aufzusehen Die Linken gefallen sich im Konservativen. Manche behaupten, die Konservativen im Sozialdemokratischen auch. Eine verkehrte Welt, wolle man meinen.

B. Eine verkehrte Welt, sagen Sie?

A. Ja, verkehrt und durcheinander.

B. Durcheinander auch, natürlich.

A. Ja, auch durcheinander, gleichermaßen beides.

Pause.

B. Wie kommen Sie darauf?

A. Hier. Journalisten bekennen sich in linken Zeitungen zum konservativen Weltbild. Das ist doch bemerkenswert.

B. angedeutet rezipierend Links rechts, lechts rinks.

A. Wie bitte?

B. Bloß ein Gedicht.

A. So? Mit verächtlichem Blick auf Bs Zeitung Lesen Sie das in Ihrem Lokalblatt?

B. Nein, ich erinnere mich.

A. Natürlich.

Pause.

A. Lassen Sie mich konkret werden. Auf die Frage, aus welchem Grund das Christentums in seiner Geschichte kontinuierlich zu Gewalt geneigt habe, antwortet der Journalist, nunmehr bekennend konservativ, vormals bekennender Linker, in einem Blatt, das sich zum Humanismus bekennt, antwortet also – na was glauben Sie?

B. Was glaube ich?

A. Was glauben Sie, wie er antwortet?

B. Das hängt von seiner Überzeugung ab, davon, wessen er sich bekennt.

A. Er bekennt sich selbstverständlich des Christentums.

B. Dann wird ihn die Frage nicht interessieren, er wird sie wegwischen wie eine störende Fliege am Küchentisch, er wird die Frage als trivial zurückweisen, ‚die alte Leier‘ wird er sich denken und mit anderen Worten sagen.

A. Nein. Er antwortet darauf.

B. Er geht darauf ein?

A. Ja.

B. Dann erlebt er sich in Erklärungsnot.

A. Er antwortet, alle wesentlichen, substantiellen Inhalte des Lebens seien mit Emotionen und Affekten aufgeladen, da könne es durchaus zu Ausbrüchen und Intensitäten kommen. So sei es ja auch in der Liebe. Und so sei es auch in der Religion.

B. Er ist bekennender Gläubiger?

A. Bekennender Christ gar.

B. Ein bekennender Konservativer?

A. Bekennender Reaktionär gar.

B. Bekennender Relativist auch?

A. Bekennender Revisionist.

Ab.

Quelle:
Jan Roß, „Die Verteidigung des Menschen – warum Gott gebraucht wird“


Hans Hansen

Im Kaffeehaus. A und B sitzen sich gegenüber und schweigen, wenn auch nicht sich gegenseitig an. A sinniert vor sich hin. Den Ausspruch „Heut hab ich’s mit dem Wetter!“ kann ich uneingeschränkt für mich beanspruchen, denkt er. Gestern so und heute so. Vorgestern Minusgrade, gestern Plusgrade, heute Minusgrade. A seufzt zerknirscht. Als beschwere eine unsichtbare Kraft den Hinterkopf. Ob es B ähnlich ergeht? Achwas, B ist eine robuste Natur, ihn umkreist die Aura des Vitalismus. A lächelt spöttisch und sieht B verächtlich ins Gesicht. Eine Rohnatur! Ihm kann nichts anhaben. Einer, dem das Leben ein Immergleiches ist in Zufriedenheit und Gleichmut. A überlegt. Ein Hans Hansen!, und schlägt mit der Hand auf den Tisch. Die Gäste sehen sich um, B dreht den Kopf. A senkt den Blick und kneift sich auf die Lippen. Dann sitzen A und B sich wieder gegenüber und schweigen.

A zu B. Haben Sie eigentlich jemals Thomas Mann gelesen?

B. Thomas Mann? Lassen Sie mich überlegen. Den Tod in Venedig, den las ich, das ist schon lange her allerdings, er ist mir kaum noch erinnerlich.

A. Haben Sie Tonio Kröger gelesen?

B. Ja, den auch, Tonio Kröger las ich auch, das muss zur gleichen Zeit gewesen sein. Ich erinnere mich, Tonio Kröger, ja.

A. Gefiel Ihnen das Buch?

B. Das kann ich nicht sagen, wie gesagt, ich kann mich nicht mehr erinnern.

A. Ich dachte das galt für den Tod in Venedig.

B. An den kann ich mich auch nicht mehr erinnern, an beide kann ich mich nicht mehr recht erinnern.

A. Erinnern Sie sich an die Figuren?

B. Lassen Sie mich überlegen. Nein. Naja, der Tonio Kröger ist eine Figur.

A. Ja, der auch.

B. Das Buch ist nach ihm benannt, also muss er eine Figur sein.

A. Ja.

B. Lassen Sie mich überlegen.

A. Ja.

B starrt zur Decke.

B. Gab’s da nicht einen Freund, so einen Freund, dem er ein Schillerstück zu lesen gibt, ja, ein Schillerstück muss das gewesen sein.

A. Ja, Don Carlos.

B. Ja richtig, Don Carlos! Den gab er dem Freund zu lesen. Aber wie dieser Freund hieß, das fällt mir beim besten Willen nicht mehr ein.

A. Hans Hansen.

B. Hans Hansen!

A. Ja, Hans Hansen

B. Richtig, Hans Hansen! Hans Hansen, hieß der, Hans Hansen hieß der Freund, natürlich, so hieß der.

A. Hans Hansen.

B. Hans Hansen. B überlegt. Aber was es mit diesem Hans Hansen auf sich hat, das weiß ich nicht mehr, da kann ich mich nicht mehr erinnern.

A. Nein?

B. Nein, beim besten Willen nicht, das habe ich vergessen, da weiß ich nichts mehr, außer dass Tonio Kröger seinem Freund Hans Hansen ein Schillerstück gegeben hat. Don Carlos, sagen Sie?

A. Ja, Don Carlos.

B. Na immerhin erinnere ich mich an etwas.

A. Ja. An Tonio Kröger erinnere ich mich sehr gut.

B. An das Buch oder an die Figur?

A. An beides. Aber auch an die Figur. Da erinnere ich mich gut. Dieser Tonio Kröger ist mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen.

B. Ja?

A. Ja.

A schaut B aufmerksam ins Gesicht. B sieht dem Treiben im Kaffeehaus zu, dem Gespräche bereits wieder abgewandt. Es macht den Anschein, als hätte er es schon vergessen.

A kleinlaut. „Der König weint.“

B. wendet ruckartig den Kopf. Wie meinen?

A. Nichts.

B. Ja.


Überdruss

Im Kaffeehaus. B liest die Zeitung und verfolgt die Lettern mit großer Aufmerksamkeit. A schaute in die Luft, befänden sich in seinem Blickfeld nicht allerhand Menschen und buntes Treiben. Zuweilen seufzt er auf. Man hört immerwieder das Rascheln der Zeitung Bs, die beim Umblättern großen Lärm macht. Der Kellner stellt A den Kaffee auf den Tisch, A kostet und verzieht den Mund, dann seufzt er neuerlich. Das geht eine ganze Weile so. Dann berührt A die Zeitung, die auf dem Stuhl neben ihm liegt, schlägt die erste Seite lustlos zur Hälfte um und lässt sie wieder fallen. Eine Dame mit Hut betritt den Raum, A beobachtet sie feindselig, wie sie Bekannte entdeckt, auflacht und sich dazusetzt. Beim Setzen hat sie ihren Mantel noch an, streift ihn erst ab, als sie schon mitten im Gespräch ist. A kann ihre Worte nicht verstehen, und erleichtert wendet er seinen Blick. A schaut wieder in die Luft. Dann sieht er zu B hinüber, der gleich interessiert in seine Zeitung vertieft ist. A verzieht neuerlich den Mund. Dann gerät ein junges Paar in sein Blickfeld, das schwungvoll einen leeren Tisch einnimmt und zwei Kakao bestellt, als wäre es selbstverständlich. Die Stimme des Mädchens tönt zu A hinüber, während sie beim Bestellen ganz leise ist. Angeekelt wendet sich A wieder sich selbst zu. So vergeht eine halbe Stunde. Dann, nach dem letzten Schluck Kaffee, spricht A.

A. Letzthin fiel mir wieder ein, dass für Thales von Milet das Wasser der Ursprung aller Dinge sei, und im selben Augenblick noch trank ich einen Schluck Wasser.

B nickt, blättert eine Seite seiner Zeitung um. Pause.

A. Jaja, so ist das. Wissen Sie, selbst der Verzweifelnde, ist er bei Verstand, klagt noch, man müsste sich töten können. Verstehen Sie? Weil man kann sich nicht töten, obwohl man könnte. Verstehen Sie? Denn wer bei Verstand ist, tötet sich nicht, und so weiter. Verstehen Sie?

B. ungerührt Ja, ich verstehe.

Pause.

A. Letzthin las ich in einer Zeitung, dass sich die Sprache abnutze wie die Dinge zwischen den Händen. Ein Wort modifiziert sich im Laufe der Zeit, es trennt sich von seiner ursprünglichen Bedeutung und nimmt nach und nach mehrere Bedeutungen an, bis dem Wort seine Funktion abhanden kommt und sein Gebrauch verloren geht, weil es nichts mehr veranschaulicht.

B. Achja?

A. Aber der Gedanke ist doch spektakulär. Das Prinzip der Abnutzung, in allen Dingen, auch in den immateriellen. Das ist doch ohnegleichen!, finden Sie nicht?

B. Jaja, das ist sehr interessant.

Pause.

A. Manchmal denke ich, was die gegenwärtigen Autoren, Dichter wie Denker, den alten voraushaben, ist die Kenntnis der Geschichte.

B. Ach?

A. Aber ja doch. Die Anknüpfungspunkte sind beträchtlich. Meinen Sie nicht?

B. Doch, das meine ich sehr wohl.

Pause.

A. Manchmal denke ich, das Wort vom Schreiberling, was für eine Beleidigung!

B rührt sich, sieht von seiner Zeitung hoch und in As Gesicht.

B. Verzeihen Sie, und verstehen Sie mich nicht falsch, aber ich kann mich beim besten Willen nicht konzentrieren auf meine Zeitung, wenn Sie mich immer wieder beim Lesen unterbrechen. Ich bitte Sie, lassen Sie mir meine Ruhe.

A. Oh, pardon. Ist denn ein Traktor entgleist? Oder was ist es, das Ihnen so große Aufmerksamkeit abverlangt.

B. den Blick wieder den Zeitungsseiten zugewandt Das können Sie ruhig meine Sorge sein lassen.

A. Dann will ich wieder ruhig sein, verzeihen Sie mir.

A murmelt einige Worte, die aber niemand versteht. Dann verzieht sich wieder sein Gesicht und seine Miene verdunkelt sich. An sein Ohr dringt erneut das Gespräch zwischen dem Mädchen und dem Jungen und er wird ihm den ganzen Kaffeehausbesuch über nicht mehr entkommen. Die Zeitung, die noch immer am Stuhl neben ihm liegt, bleibt für heute ungelesen.


Disput

(Für A.W.)

Im Kaffeehaus. A und B schauen beiderseits in die Luft. Von den Fenstern dringen allmähliche Sonnenstrahlen in den Raum. A folgt den Schattenspuren der Sonne auf dem hölzernen Boden und macht ein zerknirschtes Gesicht. B rührt sich nicht.
Mit einem Mal dreht sich A zu B.

A. Weil’s mir gerade einfällt, letztens saß ich auch hier, an einem trüben Nachmittag war‘s, der meinem Gemüt nur gut tat, und plötzlich und mit einem Hallo! fiel eine ganze Familie samt Kindern ins Kaffeehaus, breitete sich auf einem Tisch aus und die Ruhe ward vorüber! Eines der Kinder, ein Junge, schrie umher, polterte, lärmte, dass es einem schwindlig wurde, und ich dachte mir noch, gut, dass meine Bekannten schon gegangen waren, gut, dass sie das nicht mehr miterleben mussten, die hätten sich ja geärgert.

B. Moment! Welche Bekannte?

A. Am Anfang saß ich nicht allein da, zwei Bekannte sind am Tisch gewesen, sie saßen schon da, als ich das Kaffeehaus betrat, ich setzte mich zu ihnen.

B. Was für Bekannte waren das?

A. Sie kennen sie nicht. Bekannte. Alte Kaffeehausbekanntschaften.

B. Das heißt, Sie sitzen auch mit anderen Leuten im Kaffeehaus, nicht nur mit mir?

A sieht B verwundert an, gleichsam erstaunt, als hätte er ihn falsch verstanden.

A. Natürlich sitze ich auch mit andern Leuten im Kaffehaus. Ja meinten Sie, Sie wären der einzige!

B. Nunja, nein, natürlich nicht, neinnein, natürlich sitzen Sie auch mit anderen im Kaffeehaus, das wäre ja seltsam, wenn Sie nur mit mir hier säßen, nicht?, hehe, da könnte man ja denken, sie würden nur mich kennen. Das ist ja Unsinn.

B schüttelt den Kopf und wendet ihn verwirrt den Sonnenscheinspuren am Boden zu, die nun schon aufdringlich den Raum einnehmen.

A. Aber lassen Sie mich weitererzählen. Dieser Junge, ich sag’s Ihnen. Der schrie, machte einen Heidenlärm, zappelte, wippte mit dem Stuhl und die Eltern saßen daneben und rührten sich nicht. Der Vater hielt seine Nase in die Speisekarte und die Mutter schaute stumm und vorwurfsvoll auf das Kind.

B. Wer waren denn diese Bekannten, mit denen Sie am Tisch saßen?

A. Ich sagte doch bereits, Sie kennen sie nicht.

B. Dennoch bin ich neugierig, was das für Bekannte waren.

A. Ich kenne sie schon lange, immer im Kaffeehaus sehen wir uns, das hat sich so eingespielt, wenn ich sie sehe, setze ich mich dazu und umgekehrt. Das ist doch ganz natürlich. Übrigens hatten wir ja einen Disput.

B. Disput?

A. Ja, zur Musik. Aber das ist jetzt ja auch gar nicht wichtig. Ich wollte ja von dem plärrenden Kind berichten.

B. Neinnein. Sanft. Mein Lieber, erzählen Sie mir doch von diesem Disput, ja?

A. Also. Lassen Sie mich nachdenken. Als ich ins Kaffeehaus kam, sah ich schon den einen der beiden, wie er gelangweilt in die Luft schaute, das sah komisch aus, das sage ich Ihnen, ganz, wie sie’s manchmal machen. Und als wir uns im gleichen Moment gegenseitig gewahr wurden, lachten wir beide auf, er schon sitzend und ich noch im Eingang stehend. Dann sprachen wir über Musik, wenn ich mich recht erinnere, der eine meinte, ich höre ja nur Ellingtonmusik und dabei imitierte er ein Klavierspiel in der Luft und grinste dabei, als hätte er den Schalk im Nacken, der andre meinte, ich solle lieber denundden hören, man wollte mir weißmachen, denundden zu hören lohne sich, stellen Sie sich vor!, ich, gescheit und geistesgegenwärtig wie ich war, lehnte das aber ab, denn, glauben Sie mir, manchmal muss man auch ablehnen können in aller Entschiedenheit. Zur Selbsthilfe. Dann lachten wir uns ins Fäustchen. Dann gingen sie.

B. Das war’s?

A. Ja.

B. Das war der Disput?

A. Ich sagte Ihnen doch, ja.

B seufzt.

A. Aber lassen Sie mich jetzt endlich zu diesem Kind kommen. Ich wollte Ihnen doch von diesem Kind erzählen. Also. Wo bin ich stehengeblieben. Ja. Das Kind also, dieses Kind, ich sage Ihnen, dieses Kind war laut, man drehte schon die Köpfe, mindestens eine halbe Stunde. Ich selbst ärgerte mich, das können Sie sich gar nicht vorstellen, wie ich mich ärgerte.

B. Doch, das kann ich mir vorstellen.

A. Auch ein Mann an einem anderen Tisch drehte sich immerwieder zu dem Kind um, und als er dann nach dem Bezahlen aufstand, baute er sich vor der Familie auf und redete ihnen zu. Ich konnte natürlich nicht hören, was er sagte, ich saß dafür ja zu weit weg, aber es mussten schon einige Sätze gewesen sein. Der Vater blickte ihn die Zeit über an, als schaute er ins Leere, die Mutter, als traute sie seinen Worten nicht. Nachdem er gegangen war, raus aus dem Kaffeehaus, trafen sich die Blicke des Vaters und der Mutter. Das Kind polterte weiter. Bis sie dann schließlich auch zahlten und gingen.

Pause. B sieht A erwartungsvoll ins Gesicht.

B. Das war Ihre Geschichte? Ich bin mir gewiss, da fehlt etwas, denn Sie selbst sind am Ende noch nicht vorgekommen.

A. Achja, ich, ich bekam heftige Schuldgefühle und fragte mich, ob es denn weise war, sich bei der Familie zu beschweren, ob sie nicht auch das Recht hätte, lärmende Kinder ins Kaffeehaus zu führen. Aber dann wurden meine Gedanken träge und ich las die Zeitung zu Ende.

Pause.

B. Hören Sie denn gerne Ellington?

A. Und wie!

Ab.


Philosophie

Im Kaffeehaus.

A und B vertieft in ihren Zeitungen. B hält einmal inne und macht einen Schluck von seinem Tee. Dann wendet er sich wieder seiner Zeitung zu. Stille und Zeitungsrascheln. Nach einiger Zeit erhebt A das Wort.

A. Ist Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, wie sehr heutzutage das Wort „Philosophie“ missbraucht wird? Ein regelrechter Missbrauch, eine unverschämte Schändung sondermaßen. Wussten Sie das?

B. Nein, nein der Herr, das wusste ich nicht. Aber erzählen Sie mehr davon. Sie werden bestimmt gleich mehr davon erzählen.

A starrt ärgerlich auf B.

A. Wissen Sie, diesen zynischen Ton von Ihnen, den kann ich auch schon kaum mehr ertragen, das muss ich Ihnen sagen, dieser Zynismus, diese bemüht abgehärtete Betrachtung der Welt, dieses Schongarnichtsmehrernstnehmen, das ja keine Weisheit birgt, sondern bloß ein resignatives Verbittertsein, dieser schon zur Gewohnheit gewordener Zynismus, der mit einem Schuss kaum verborgener Präpotenz abgemischt ist, den können Sie sich auch einmal abgewöhnen, können Sie sich auch einmal in die Haare schmieren, ich will Ihnen ja nur Gutes tun, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, hier, unter uns, im Kaffeehaus.

B. Aber nun reden Sie, und lassen Sie mich aus dem schönen Spiel.

A. Nungut. Von was sprach ich noch schnell? Wo sind wir steckengeblieben?

B. Sie.

A. Sie?

B. Ja, Sie?

A. Wer Sie?

B. Na Sie halt! B deutet energisch auf A.

A. Ich?

B. Ja, wo sind Sie steckengeblieben, nicht wir.

A. Wir?

B seufzt.

A. Wer wir?

B. Wir! Sie! Ich! B seufzt ein zweites Mal. Sie sprachen davon, dass das Wort „Philosophie“ missbräuchlich verwendet werde.

A. Ha! Spricht B nach. Missbräuchlich verwendet. Missbraucht! Missbraucht wird das Wort, nicht missbräuchlich verwendet. Jeder dahergekommene Schulmeister spricht von „Philosophie“, aber nicht bloß von „Philosophie“, sondern von „seiner Philosophie“! Stellen Sie sich das vor! Man okkupiert das Wort „Philosophie“, als gehörte es einem, mehr noch, als hätte man die Philosophie erfunden! Und macht so aus einem Wort ein Wörtchen!

B. Ja?

A. Natürlich. Hier. A liest vor. „Das eben eröffnete vegetarische Restaurant am Graben sieht seine Philosophie in einem neuen Gesundheitsbewusstsein, das Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit und Wohlbefinden auf seine Fahnen schreibt.“ Haben Sie das gehört? Die Philosophie eines neuen Gesundheitsbewusstseins! Da ist weit und breit keine Philosophie zu finden. Höchstens eine Ideologie, höchstens ein Verkaufserfolg. Und so geht es weiter, munter wird von Philosophie geschwätzt, wo sich nicht mal eine versteckt, nicht mal beim besten Willen. Die Philosophie hinter einer sportlichen Tätigkeit, die Philosophie hinter einem Unternehmen, die Philosophie hinter einer landwirtschaftlichen Rodung, die Philosophie hinter dem Öffnen einer Büchsendose. Und die Menschen grinsen in die Kamera und erzählen dann im ernsthaft-besonnenen Ton von ihrer Philosophie!

B. Und das wäre falsch?

A. Wäre? Natürlich wäre das falsch! Ist falsch! Fälschlich! Hinter Philosophien steckt lebenslange Denkarbeit, eine vollkommene Hingabe an eine Welterklärung. Kein triviales Konzept einer temporären Lebensbewältigung. Und die Menschen sitzen am Stammtisch oder im Freibadcafé und werfen sich gegenseitige Viertelphilosophien auf den Kopf! Und erklären ihren Kindern, dass sie darüber schweigen sollten wovon sie nichts wüssten. Dabei wissen sie selbst nichts! Dozieren aber eifrig über die aufgeschnappte Holzschuppenweisheit eines verzerrten carpe diem-Konzepts!

A fängt zu schwitzen an und fährt sich über die Stirn.

B. Hier haben Sie ein Taschentuch. Ich sag ja immer, man muss nonchalant sein, losgelöst vom Stress um einen herum, man muss die Dinge leichter nehmen, das, so sehe ich und so sage ich immer, das ist meine… B sieht rasch zu A und schweigt.

A späht misstrauisch auf B.

A. Was wollten Sie eben sagen?

B. Nichts. Pause. Das Taschentuch können Sie ruhig behalten.

Ab.


Anna Karenina

Im Kaffeehaus.

A. Wissen Sie, manchmal denke ich, solange noch neue Übersetzungen alter Bücher vorgenommen werden, zum Beispiel Tolstois „Anna Karenina“ oder, wie ich hier gerade lese, „Das alte Pfarrhaus“ von Nathaniel Hawthorne, solange das noch geschieht, ist alles gut, denke ich mir.

B. Meinen Sie?

A. Ja. Das bedeutet ja, es wird noch Wert gelegt auf alte Bücher, was schließlich jedem Kulturpessimismus zuwider laufen muss.

B. Haben Sie „Anna Karenina“ gelesen?

A. Nein.

B. Nein?

A. Wissen Sie, ich bin noch nicht dazugekommen. Ich hab mir immer gedacht, das hebe ich mir noch auf, für später, wenn ich Zeit habe, das hab ich mir immer gedacht, später dann. Er blickt zu B. Jetzt tun Sie nicht so! Als würden Sie „Anna Karenina“ kennen!

B. Ich kenne „Anna Karenina“, natürlich!

A. Sie kennen „Anna Karenina“?

B. Ja. Vor fünf Jahren etwa. Ein großartiges Erlebnis. Ein Meilenstein des Erzählens. Diese psychologische Tiefe, diese Fähigkeit von Tolstoi, all die verschiedenen Perspektiven und Erzählstränge zusammenzuhalten, das ist große, große Kunst.

A. Große, große Kunst?

B. Ja. Er ist wahrscheinlich der bedeutendste Roman. Nichts dagegen Dostojewski, der ja nichts zustande brachte, der nicht einmal Stimmung erzeugen konnte.

A. Stimmung?

B. Vergleichbar zu Tolstoi ist vielleicht noch, wenn’s hochhergeht, Thomas Mann, vielleicht „Doktor Faustus“, vielleicht auch die „Buddenbrooks“, keinesfalls der „Zauberberg“, soviel ist gewiss.

A. „Zauberberg“?

B. Tolstois empathisches Vermögen ist einzigartig, da konnte sich Thomas Mann alles abschauen. Jaja, Tolstoi konnte sich alle zehn Finger abschlecken bei dieser Fähigkeit.

A. Finger abschlecken?

B. Ja, vor fünf Jahren etwa habe ich „Anna Karenina“ gesehen.

A. Gesehen!?

B. Ja da haben sie ihn gezeigt. Ein wunderbarer Film. Später zeigten sie den „Doktor Faustus“ und noch später den „Zauberberg“, aber das war nichts, da wurde mir langweilig vor dem Fernseher, da hab ich dann umgeschaltet auf so eine Show, die auch gerade lief.

A. Sie haben also diese ganzen Bücher nicht gelesen, sondern deren Verfilmungen im Fernsehen gesehen?

A. Ja was denken Sie denn? Sie wissen doch, ich lese keine Bücher, da hab ich gar keine Zeit dafür.

Ab.


Walzer

Im Kafeehaus.

A. Manchmal, wissen Sie, fahre ich, wenn ich aufs Land fahre, was ich manchmal tue, bloß um diesem Dreck in der Stadt zu entkommen, an eine ehemalige Fabrik vorbei, die vor einigen Jahren zu einem sogenannten Veranstaltungszentrum heruntergekommen ist, und daneben haben sie Parkplätze hingebaut, für die Sonntagsfahrer, die in diesem Veranstaltungszentrum sonntags dann ihren Kaffee trinken oder, noch perfider, dort tanzen…

B. Wer ‚sie‘?

A. ‚Sie‘?

B. Sie sagten, ‚sie‘ hätten dort Parkplätze hingebaut, wer ist das, ‚sie‘?

A. Ja sie halt, wasweißich wer das macht, die Politiker, die entschieden haben, dass dort ein Veranstaltungszentrum hingebaut wird und dazu noch ein paar Parkplätze für die Sonntagsfahrer, die dann dort Kaffee trinken und walzertanzen. Also, das heißt, die Politiker haben die Parkplätze natürlich nicht selbst hingebaut, das können die wahrscheinlich garnicht, das haben dann Bauarbeiter oder Parkplatzbauer gemacht, nehme ich an.

B. Ja ich meine nur. Weil wie oft hört man in Erzählungen, dass ‚sie‘ was gemacht hätten und niemand weiß dann, wer was gemacht hat.

A. Wie auch immer. Das ist ja gar nicht der Punkt. Lassen Sie mich mal zum Punkt kommen, Sie lassen mich nie zum Punkt kommen! Immer müssen Sie mich unterbrechen!

Pause.

A. Auf jeden Fall fahre ich dann da manchmal vorbei bei diesem heruntergekommenen Veranstaltungszentrum, wo sie kaffeetrinken und walzertanzen und wo mir sowieso schon mal graust, wenn ich mir das nur vorstelle. Und die Höhe ist, dass man dort nicht nur kaffeetrinken und walzertanzen kann, sondern man auch in ein Laden gehen kann, der Trachtenkleidung verkauft! Das müssen Sie sich mal vorstellen! Trachtenkleidung! Da fahren dann die Sonntagsfahrer hin und trinken Kaffee und tanzen zu Walzermusik und kaufen sich einen Lodenmantel!

B. Sonntags wird der Laden wohl nicht geöffnet haben.

A. Sieht B von der Seite an. Bildlich gesprochen! Das tut gar nichts zur Sache, ob der Laden Sonntag geöffnet oder geschlossen ist!

B. Ich mein ja nur. Um die Logik ihrer Erzählung nicht ganz aus den Augen zu verlieren.

A. Spricht ihm nach. ‚Die Logik der Erzählung‘, ha!

Pause.

A. Ich fahr da vorbei und sehe also, wie der ganze Platz, das ganze Terrain da, gerodet wurde für die Sonntagsfahrer. Bloß neben den Parkplätzen, da steht ein kleines Häuschen, das ist auch heruntergekommen, aber manchmal, im Winter, kommt Rauch aus dem Schornstein.

B. Ja?

A. Rauch aus dem Schornstein! Verstehen Sie nicht? Das Häuschen steht gleich neben den Parkplätzen!

B. Ja?

A. Ich bin mir sicher, dass sie, die Politiker und Parkplatzbauer gleichermaßen, das Häuschen ursprünglich auch roden wollten, der Eigentümer des Hauses sich aber weigerte, das Häuschen, sein Häuschen, zu verlassen.

B. Was wollen Sie wohl damit sagen?

A. Widerstand! Ein Widerstandskämpfer gegen die Politiker und Bauarbeiter und Parkplatzbauer und Stadtplaner und Sonntagsfahrer, die kaffeetrinken und walzertanzen und trachtenkaufen! Einer, der nicht kleinbeigibt, und zur Provokation noch Rauch aus dem Schornstein kommen lässt! Der sagt, Seht her!, Ich lasse mich von euch perfiden Sonntagsfahrern nicht kleinkriegen, ich lasse mich von den Parkplatzbauern nicht vertreiben!

B. Meinen Sie?

A. Und wie ich das meine! So steht jetzt das riesige Veranstaltungszentrum da, daneben die Parkplätze, daneben das kleine, heruntergekommen, schornsteinrauchende Häuschen.

B. Vor sich hin. ‚Die letzte Bastion unerschrockener Widerständler.‘

A. Wie?

B. ‚Die letzte Bastion unerschrockener Widerständler.‘ Einer, der gegen Windmühlen kämpft. Quichottisch.

A. Woher haben Sie das?

B. Von Ihnen. Sie sagten das einmal, können Sie sich nicht erinnern?, Sie sagten das einmal, als Sie von Eu-Gegnern sprachen.

A. Jaja! Ich erinnere mich. Und das haben Sie sich gemerkt?

B. Wie Sie sehen.

A. Lächelt verlegen. Aber das freut mich! Dann rede ich ja doch nicht Stunden um Stunden umsonst auf Sie ein in diesem Kaffeehaus. Das freut mich!

B. Dennoch ist es verrückt was Sie sagen. Das ist doch kein Widerständler, von dem Sie eben sprachen, sondern ein heruntergekommener Mensch, der dem Fortschritt im Wege steht.

A. Wird rot vor Zorn. Ach, lassen Sie mich doch in Ruhe! Was erzähle ich das alles! Sie lernen ja doch nicht daraus.

A nimmt seine Zeitung zur Hand, murmelt einen unverständlichen Satz und beginnt zu lesen. Nach einiger Zeit schielt er nochmal zu B hinüber, der aber nichts davon merkt.

Ab.


Steinwurf

A. „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“

B. Wie meinen?

A. Das hab ich vor einigen Tagen gelesen, wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Oder so ähnlich.

B. Zu wem wird da gesprochen?

A. Das weiß ich nicht. Zum Adressaten halt.

B. Zum Adressaten. Aber wer ist der Adressat? Man muss doch wissen, wer der Adressat ist, wenn man was liest.

A. Ich weiß nicht, wer der Adressat ist. Der, dem es gilt.

B. Dem was gilt?

A. Naja das Steinewerfen, und das Schuldsein.

B. Aber was hat Schuld mit Steinen zu tun?

A. Das weiß ich nicht, das kann ich nicht sagen.

B. Das können Sie nicht sagen?

A. Der der Schuld hat, nein, der ohne Schuld ist, der wirft dann einen Stein. Damit demonstriert er seine Unschuld, nehme ich an.

B. Aber in welchem Kontext wirft dann einer einen Stein? Und warum wirft er dann einen Stein und sagt nicht einfach „Ich bin ohne Schuld.“

A. Oder „Ich bin unschuldig“.

B. Ja, oder „Ich bin unschuldig“.

Pause.

B. Na?

A. Was „na“?

B. Warum wirft er einen Stein?

A. Das ist halt in dem Kontext so, in diesen Zeiten warf man wohl einen Stein, wenn einer unschuldig war.
.
B. Und worin war er unschuldig? Und wer bezichtigte ihn der Unschuld? Und von welcher Zeit reden Sie!

A. Von der Zeit, da das geschrieben wurde, ich weiß die Zeit auch nicht, es kann aber nicht erst kürzlich erst geschrieben worden sein, weil ich noch nie jemanden einen Stein werfen sah. Außer Kinder. Die sind aber eher unschuldig. Sagt man zumindest.

B. Schauen Sie, wenn Sie keine Ahnung haben von dem, was Sie reden, dann reden Sie am besten gar nichts. Weil das führt zu nichts, wenn Sie dann was reden.

A. Schauen Sie, dass Sie weiterkommen! Mit Ihnen kann man ja nicht reden, Sie verstehen ja nichts, Sie sind ja ein alter Ignorant, lesen Sie doch Ihren Lokalteil!

Ab.


Sport

A zeigt auf seine Zeitung, sieht B an.

A. Sehen Sie, das ist die richtige Reihenfolge in einer Zeitung. Er klopft mit dem Finger auf die Seiten. Sehen Sie? Er liest vor. „Politik“, „Kultur“, „Wirtschaft“, „Sport“. Er blick auf, sieht B an. Sehen Sie? So ist es richtig. Das sind die richtigen Prioritäten. Erst die Politik, nun, das ist das Wichtigste, die Politik hat Vorrang, man muss ja wissen, was los ist auf der Welt, wir sind ja alle mit allem verstrickt, die Politik hat den Vorrang, sonst wäre es ja keine Zeitung mehr. Dann sofort!, augenblicklich!, Kultur! Die Kultur ist zwar eigentlich das Wichtigste, natürlich, aber man kann sie schlecht als erste Rubrik in eine Zeitung platzieren, dann wär’s ja ein Kulturblatt, eine Zeitung zur Kunst, neinnein, das geht nicht, erst kommt die Politik, dann aber die Kultur, nein das ist ganz richtig so. Also eigentlich wissen ja die Zeitungsmacher, dass die Kultur das Wichtigste ist, gewiss wissen die das, aber es ist ja eine Tageszeitung, also muss man den Kulturteil wohl oder übel an die zweite Stelle rücken, das ist einsichtig, das versteht jeder, auch wenn mancher den Kulturteil an der ersten Stelle lieber sehen würde, aber die Politik geht vor, daran kann man nicht rütteln.

B. Wohl oder übel.

A. Ja. Pause, A blickt einige Sekunden auf die Zeitung. Übrigens, weil Sie es ansprechen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass ‚wohl oder übel‘, die Redewendung, immer die Vorherrschaft des Übels impliziert, dass der Nachdruck auf dem ‚Übel‘ liegt, keineswegs auf dem ‚Wohl‘, dass, sagt jemand ‚wohl oder übel‘, er das ‚Übel‘ meint, keineswegs das ‚Wohl‘. Man fragt sich, warum das ‚Wohl‘ überhaupt zur Sprache bringen?

B. Ich weiß nicht…

A. fällt B ins Wort. Aber das tut auch nichts zur Sache jetzt. Lassen Sie mich fortfahren. Also die Politik, dann die Kultur, nicht umgekehrt, nicht andersrum. Erst die Politik, dann die Kultur. An dritter Stelle die Wirtschaft. Gut, wenn es jemandem wichtig ist, soll die Wirtschaft an dritter Stelle stehen. Ich hab nichts dagegen. Auch wenn wir wissen, dass der Wirtschaftsteil einer Zeitung, naja, also dass die Wirtschaft also nun wirklich niemanden interessiert. A macht eine bedeutende Handbewegung. Aber, der, den’s interessiert, soll den Wirtschaftsteil lesen, da hab ich gar nichts dagegen, da werde ich ihm keine Steine in den Weg legen. Der soll lesen, was er will. Obwohl die Wirtschaft, nun, es ist halt die Wirtschaft.

B. Aber mein Herr, die Wirtschaft ist doch wichtig, wenn nicht entscheidend, gerade wenn Sie davon sprechen, dass alle mit allem verstrickt sind, dann heißt das ja, dass alle mit der Wirtschaft verstrickt sind. Sie arbeiten ja auch.

A schweigt.

B. Sie arbeiten doch? Was arbeiten Sie eigentlich? Arbeiten Sie überhaupt?

A. Jetzt lese ich die Zeitung. Und ich bin noch nicht fertig. Sehen Sie, gut, also die Wirtschaft. Politik, Kultur und dann, naja, die Wirtschaft, gut, belassen wir’s dabei. Und dann an vierter Stelle, wie Sie sehen können, der Sportteil. Also den interessiert doch wirklich niemand, den liest doch niemand, den könnten sich die Zeitungsmacher überhaupt sparen. Wer liest den Sportteil? Der Sportteil an vierter und letzter Stelle entwertet gewissermaßen die anderen Teile. Der Sportteil ist ein Affront!

B. Sehen Sie, er zeigt auf seine Zeitung, sehen Sie, meine Zeitung hat den Sportteil an zweiter Stelle, nach der inländischen Politik, manchmal, wissen Sie, überspringe ich gleich den Politikteil und lese gleich den Sport!

A gibt B einen bösen Blick, wendet sich dann seiner Zeitung zu. Er liest zuallererst den Kulturteil, dann die internationale Politik.

Ab.


Konversation

A und B sitzen an einem Tisch, C und D setzen sich in Ermangelung eines anderweitig freien Platzes dazu. Weder A kennt C und D, noch B kennt C und D, weder C kennt weder A noch B, noch D kennt weder A noch B. C und D kennen sich.

C. zu D. Also mein Mann, der hat derzeit solch einen Katarrh, wenn man da neben den aufsteht in der Früh und der fängt dann hochgradig zu husten an, glaubt man, seine Lungenflügel fliegen ihm aus dem Mund.

D. Ich kenne das. Mein Mann raucht ja schon seit Jahren, er will und will nicht aufhören, und das merkt man in der Früh, wenn der zu husten anfängt. Er merkt das und vor allem ich merke das. Es ist widerlich.

C. Und dann sage ich zu ihm, er solle doch einmal zum Arzt gehen, er solle sich einmal gründlich untersuchen lassen, aber er ist da stur, wie sein Vater schon vor ihm, er sagte, man brauche nicht zum Arzt gehen wegen so einer Kleinigkeit, und außerdem seien die Ärzte ohnehin Halsabschneider, sagt er.

D. Er will ja nicht einmal zum Rauchen aufhören, mit dreißig, ja da hätte er aufhören sollen, da wär’s noch gegangen, da hätte sich sein Körper wieder regeneriert, wie man sagt, aber jetzt, jetzt ist es zu spät, und ich hab einen Mann neben mir im Bett liegen, der sich vor lauter Raucherhusten schon gar nicht mehr artikulieren kann.

C. Der ist ja genauso stur wie sein Vater, ich kann mich noch erinnern an den, ein Mordsdrum von einem Mann, gefürchtet hat man sich nahezu, wenn der mal seine Arme hob, war’s geschehen.

D. Sag ich zu ihm: „Jetzt hör mal zu rauchen auf!“ Aber wie’s scheint, ist ihm das egal. Nicht mal auf seine eigene Frau hört er noch, auf niemanden hört er, wenn’s das Rauchen betrifft.

C. Und dann war’s endgültig geschehen, und er ist gestorben, gotthabihnselig, ein teurer Mann, ein lieber Mensch, natürlich, seinem Sohn hat er schon manchmal eine geknallt, dass der Purzelbäume geschlagen hat, das eine oder andre Mal ist ihm schon die Hand ausgekommen, aber mein Mann war als Kind ja auch ein Hundskrüppel, eine Rotzpippen, das kann ich dir sagen. Also nicht dass ich ihn erlebt hab, ich kannte ihn ja noch nicht, aber vorstellen, das kann ich ihn mir.

D. Alle seine Freunde rauchen ja auch. Wie soll er da aufhören? Und mir ist das schleierhaft, wie er so leichtfertig mit seinem Körper umgehen kann.

C. Auch sein Vater hat schon gemeint, die Ärzte seien Betrüger, ich mein, natürlich, da ist schon etwas dran, aber manchmal muss man sich seine Gebrechen ja ansehen lassen, und ich kann dir sagen, dieser Katarrh von meinem Mann, das ist ein Gebrechen, sag ich dir. Er sagt, die Ärzte wollen immer nur operieren, gleich und bei jeder Gelegenheit wollen sie operieren. Als ob sie nichts Besseres zu tun hätten.

D. Und unser Sohn, kannst dir vorstellen, der sieht seinen Vater tageintagaus rauchen, da müsste ein Wunder geschehen, dass der nicht zu rauchen anfangen würde, aber der Sohn ist ja der gleiche Charakter wie der Vater, einunddieselbe Person, manchmal weiß ich gar nicht mehr, mit wem ich gerade rede. Und wenn der Sohn neben mir niest, könnt ich schwören, es nießt der Vater.

C. Ich überleg schon, mich für die Nacht, also fürs Schlafen, in ein anderes Zimmer zu legen, man muss da konsequent sein, wenn’s nicht anders geht, gibt es halt getrennte Betten. Der Tisch muss ja deswegen nicht getrennt sein.

D. Einmal hab ich schon eine halbvolle Zigarettenpackung bei ihm gefunden, aber das gab’s ein Donnerwetter, da spielte es Granada!, das kannst du mir glauben, die Packung hab ich vor seinen stutzenden Augen zusammengedrückt, dann habe ich ihm eine Standpauke gehalten, die er niemehr vergessen wird. Ich mein, ich hab ja nicht argumentiert, ich muss ja nicht argumentieren, wenn ich meinen halbwüchsigen Sohn etwas verbiete, aber das beste Argument, das mir dann eingefallen ist, hat dann auch seine Wirkung gezeigt: der Vater.

C. Es heißt ja noch lange nicht, dass eine Ehe gescheitert ist, wenn man in verschiedenen Betten schläft, dass sie zerrüttet ist, wie man überall lesen kann, neinnein, es gibt da ganz profane Gründe, warum man in getrennten Betten schläft, und, glaub mir, das ist ein guter Grund, dieser Katarrh. Also wenn der nicht bald vorüber ist, zieh ich wirklich ins andere Zimmer. Das ist zwar nicht christlich, kann ich mir vorstellen, aber rettend. Eherettung, so nenn ich das!

D. Potzdonnerblitz! Da hat er dann nichts mehr gesagt, da ist er verstummt, wie er seinen rauchenden hustenden Vater gesehen hat, da ist ihm der Mund offengestanden, und ich hab in mich hineingekichert. Aber ich hab den Verdacht, seine Freunde rauchen auch schon, der blöde Bub mit seinen blöden Freunden. Den ganzen Tag umsitzen und nichtstun. Da hab ich andere Seiten aufgezogen, hab ihm glatt den Staubsauger in die Hand gedrückt und befohlen, das Wohnzimmer zu saugen. Natürlich hat er gemurrt und sich ins Sofa gedrückt, da hab ich die Stimme aber erhoben und gesagt: „Du dummer Bub, arbeit mal!“ Das nächste Mal hau ich ihm einfach eine runter, der Rotzpippen!

C. Erzählen kann ich das natürlich niemandem, schon gar nicht meiner Mutter, dass mein Mann und ich in getrennten Betten schlafen, weil wie sieht das aus, das sieht nach Scheidung aus, aber ich sag dir, wenn der seinen Katarrh nicht bald losbekommt, packe ich meine Bettwäsche und zieh um. Werden wir schon sehen, wie er da drauf reagieren wird.

Undsoweiter.

A und B bleiben stumm.


Kunst

B. Manchmal schneide ich meine Hecke, den ganzen Tag lang, und dann kann ich nicht aufhören, bis alles feinsäuberlich geschnitten ist, bis zum Abend stehe ich dann im Garten, bis mir meine Frau schreit. Dann essen wir zusammen. Und die Tochter, die ganz in der Nähe wohnt, ganz in der Nähe eine Wohnung hat, im gleichen Wohnblock, kommt manchmal vorbei und isst mit. Dann schreit die Tochter mir, nicht die Frau.

A. Schaut von der Zeitung auf, aufrichtig überrascht. Was meinen Sie?

B. Aber wenn ich noch nicht fertig bin mit dem Heckenschneide, müssen sie warten, da gibt es kein Pardon, ich kann nichts anfangen, was ich dann nicht auch zu Ende führe. Freilich, jetzt haben wir ja den Herbst, jetzt schneide ich keine Hecken, weil keine da sind, nicht nur dass wir schon Herbst haben, auch der Winter kommt, das kann man schon riechen.

A. Wovon sprechen Sie in Gottes Namen?

B. Lassen Sie Gottes Namen aus dem Spiel! Das ist ganz profan, mein Heckenschneiden. Und wenn dann die Tochter mit uns mitisst, und die Frau weiß das im Vorhinein, dann macht sie sich immer besondere Mühe bei der Zubereitung.

A. mit zusammengekniffenen Augen. Lesen Sie mir gerade einen Artikel aus Ihrer Zeitung vor?

B. Neinnein, ich erzähle Ihnen vom Heckenschneiden. Schneiden Sie keine Hecken ab und an, haben Sie keine Hecke zuhause, gehen Sie nicht manchmal in den Garten und schneiden Hecken?

A. Ja, aber ich erzähle es nicht.

B. Man kann ja schon fast sagen, ich bin ein Künstler beim Heckenschneiden, weil das ist eine Kunst, das Heckenschneiden, das sage ich Ihnen, da kann man nicht einfach hingehen und zum Schneiden beginnen, da muss man vorerst in sich gehen, da braucht’s Fingerspitzengefühl, da braucht’s Zartheit, da muss man sich regelrecht einarbeiten.

A. Sie erklären Ihr Heckenschneiden allen Ernstes zur Kunst?

B. Na hören Sie! Sie nehmen das wohl nicht ernst, Sie sind wohl einer derjenigen, die sich da gar nichts dabei denken, beim Heckenschneiden, die da einfach drauflosschneiden, als wär da nichts dabei, aber ich sage Ihnen, Kunst ist das, und man muss das können. Fingerspitzengefühl.

A. Fingerspitzengefühl.

B. Manchmal sieht mir auch die Tochter dabei zu, ich schneide die Hecke und sie sieht mir zu.

A. Welche Tochter?

B. Die Tochter. Meine Tochter. Die Tochter halt. Welche Tochter würde ich sonst meinen, ich kenne ja keine andere.

A. Aber ich dachte, sie hätten eine Wohnung in der Stadt, ganz unweit von hier? Ohne Garten. Wo schneiden Sie plötzlich Hecken, wenn Sie gar keinen Garten haben? Das ist doch merkwürdig.

B. Ja.

A. Was ja?

B. Ich gehe zum Nachbarn.

Ab.


Protest

A. Ist Ihnen auch der Stand aufgefallen, neben dem Rathaus, man protestiert, im Stillen.

B. Wer protestiert?

A. EU-Gegner.

B. EU-Gegner?

A. Ganz recht, EU-Gegner protestieren.

B. Wogegen protestieren Sie, gegen das Rauchen, gegen den Alkohol, gegen die Hühnerzucht?

A. Impliziert nicht schon der Terminus „EU-Gegner“, dass man gegen die EU protestiert?

B. Nun ja, es könnten ja auch EU-Gegner sein, die gegen das Kirchenläuten protestieren. Oder gegen die Rinderzucht.

A. Nein, sie protestieren gegen die EU.

Pause.

A. vor sich hin. Die letzte Bastion unerschrockener Widerständler.

B. Wie meinen?

A. Ich denke mir immer, wenn ich EU-Gegner beim Protest sehe, dass sie sich bis zur Verzweiflung gegen die Hoffnungslosigkeit wehren. Dass sie einen Kampf gegen Windmühlen aufnehmen. Einen Kampf, der ohnehin verloren ist. Beinahe rührend ist das.

B. Windmühlen?

A. Ich verspüre dann einerseits Mitleid andererseits Ekel vor diesem Protestieren. Denn wir sind uns ja wohl einig, dass das vereinigte Europa alles in allem, alles zusammengenommen, Gutes bringt.

B. Sind wir uns da einig? Meine Zeitung schreibt, die EU sei beileibe nichts Gutes. Ein Beamtenapparat. Korrupt und elitär. Die da oben!

A. Verträumt. Die da oben.

B. Ganz recht, die da oben.

A. Und wir hier unten.

Ab.


Nobelpreis

A. Von der Zeitung aufsehend: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass, wenn jemandem, nehmen wir an, ein Schriftsteller, oder ein Wissenschafter, ein Preis zugesprochen wird, sagen wir, ein literarischer Preis, oder ein Nobelpreis, oder auch wenn jemand kürzlich gestorben ist, verstorben ist, dass dann dieser immer mit dem Adjektiv „groß“ tituliert wird?

B. Jetzt beginnen Sie den Satz von vorne, ganz langsam, einen Satzteil nach dem anderen, sodass ich verstehe, was Sie überhaupt sagen wollen.

A. Ich versuche Sie darüber zu unterrichten, dass man eine Inflationen des Wortes „groß“ in seiner adjektiven Verwendung bei gewissen Menschen, die eine Honorierung ihrer Person in der Zeitung erfahren, beobachten kann. Aber Sie begreifen ja wieder nichts, Sie ignoranter Mensch Sie.

B. Was meinen Sie mit „groß“? Die Zeitungen schreiben, dieser oder jener Mensch ist groß, im Sinne seiner körperlichen Statur?

A. Sind Sie von Sinnen? Ich meine „groß“ im Sinne von „bedeutend“!

B. Meinen Sie oder die Zeitungen?

A. Beide!

B. Wo liegt dann das Problem?

A. Nirgends liegt das Problem.

B. Dann ist es ja gut.

A. Ja. Ich sage halt bloß. Ich meine halt bloß, dass, wenn jeder groß ist, wo sind dann die Kleinen? Es kann doch nicht jeder groß sein, es muss doch auch jemand klein sein. Aber einen Artikel über einen kleinen Schriftsteller, über einen kleinen Wissenschafter habe ich noch nicht gelesen.

Pause.

A. Einmal möchte ich einen Artikel über einen kleinen Schriftsteller lesen, der den deutschen Buchpreis gewann, über einen kleinen Wissenschafter, der den Nobelpreis bekam. Aber wohin ich schaue, es gibt bloß große Schriftsteller und große Wissenschafter, große Deutsche Buchpreisgewinner, große Nobelpreisträger. Gestern groß, heute groß, morgen groß! Groß und groß, alles ist nur groß! Einmal möchte ich einen kleinen Deutschen Buchpreisgewinner sehen, einen kleinen Nobelpreisträger!

B. Sie könnten kandidieren. Sie wären mal ein kleiner Preisträger. Sie könnten sich freiwillig melden. Ja, geben Sie sich einen Ruck und melden Sie sich als kleiner Preisträger. Gehen Sie mit Beispiel voran und seien Sie bescheiden.

A. Liest weiter in der Zeitung und wird den ganzen Kaffeehausbesuch nicht mehr davon aufsehen, ganz so, als schmollte er.

Ab.


Sartre

A. Gestern las ich einen Witz in einer Tageszeitung, der mich ausnahmsweise einmal zum Lachen brachte.

Pause.

A. Haben Sie mich verstanden?

B. Ja.

A. Möchten Sie ihn nicht hören?

B. Wen?

A. Den Witz?

B. Warum fangen Sie eigentlich immer einen Satz an, bei dem der Gegenüber gezwungen ist, etwas zu erwidern, sodass Sie mit Ihrem Satz fortfahren können?

A. Wie meinen?

B. Sie sagen etwas, das stets nach weiterer Erklärung verlangt. Die Erklärung muss Ihnen der Gegenüber aber erst erfragen.

A. So?

B. Sie zwingen damit dem Gegenüber die Erwiderung auf.

A. Meinen Sie?

B. Ja.

Pause.

A. Gut, dann erzähle ich Ihnen den Witz ohne Ihre Erwiderung.

B seufzt.

A. Sartres „Das Sein und das Nichts“ hat sich nur deswegen so gut verkauft, weil es genau ein Kilogramm gewogen hat, und die Fischer konnten damit ihre Ware abwiegen.

Pause.

A. Dass Sie den Witz nicht verstehen, damit konnte ich rechnen! Was verstehen Sie schon?

B. Soll ich darauf etwas erwidern?

A. Lassen Sie’s gut sein!

Ab.


Metapher

A. Es herbstet, und es dünkt mich traurig, dass dem so ist.

Pause.

A. Ein Blatt fällt zu Boden und Linus tröstet es.

B. Wer?

A. Linus.

Pause.

A. Die Zeit ist gekommen, da ich beim Einschlafen manchesmal einer Sherlock Holmes-Geschichte lausche, bloß um mich zu trösten.

Pause.

A. Weil der auch immer vom Wetter spricht, und meist ist es schlecht, damals in London, da fiel immer der Regen und das Laub ertrank, damals in der Baker Street.

Pause.

A. Zu B., lauter. Sagen Sie, hören Sie mir überhaupt zu? Spreche ich bloß mit mir? Können Sie einmal von Ihrer Zeitung aufsehen und mit mir aus dem Fenster? Denn geteiltes Leid ist immerhin doppeltes Leid.

B. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

A. Jaja, Sie haben schon recht! Haben Sie schon aus dem Fenster gesehen?

B. Nein, heute nicht, denke ich.

A. Warum sehen Sie nicht mal aus dem Fenster?

B. Ich leide nicht.

A. Sie leiden nicht?

B. Ja.

A. Was soll das heißen?

B. Ich leide nicht im Herbst, ich mag den Herbst, wissen Sie. Der Herbst und ich, wir stimmen überein.

A. Sie stimmen überein? Wie kann man mit einer Jahreszeit übereinstimmen? Sitzen Sie beide beim Kartenspiel und stimmen Sie gegenseitig überein?

B. Metaphorisch, mein Lieber, metaphorisch gesprochen.

A. Bleiben Sie mir fern mit der Metaphorik, ich habe dafür keinen Sinn, gerade im Herbst nicht.

B. Aber werter Herr! Sie sind es doch immer, der in Metaphern spricht, der immer alles sinnbildlich versteht und verstehen will. Sie sind doch der Metaphoriker!

A. Lassen Sie mich in Ruhe. Lesen Sie in Ihrer Lokalzeitung. Ich werde weiterhin aus dem Fenster sehen und mir durch Ihre schlechte Stimmung meine doch nicht vertun lassen!

Pause.

Ab.


Kleingeist

A und B sitzen am Tisch, beide vertieft in ihren Zeitungen, plötzlich sieht A von seiner hoch.

A. Wissen Sie, dieses Kleinformat, wie ich das verabscheue. Diese kleinen Zeitungen, die immer kleiner zu werden scheinen, wenn man sie anfasst, fast möchte man meinen, man sieht sie gar nicht mehr, so klein sind diese kleinformatigen Zeitungen. Was sagen Sie? Wie stehen Sie zu der Sache?

B. Wovon reden Sie?

A. Diese Zeitungen.

B. Welche Zeitungen?

A. Diese kleinen Zeitung. Kleinformat. Wie ein Buch fast.

B. Wie ein Buch?

A. Eine Zeitung muss groß sein, man muss den Kopf drehen beim Lesen, verstehen Sie? Wenn man eine Zeitung liest und den Kopf ganz ruhig halten kann, nein, das ist nichts. Der Kopf, wissen Sie, der Kopf muss hin und her gehen. Die Augen genügen nicht mehr, der Kopf muss einspringen. Das ist eine Zeitung. Eine richtige Zeitung soll man auf einem Kaffeehaustisch ausbreiten können, verstehen Sie? So muss eine Zeitung sein. Hier, sehen Sie? A. versucht seine Zeitung auszubreiten, was nicht gelingt. Diese kleinen Zeitungen, nein, da hat man das Gefühl, man blättert in einem Magazin. Einem Automagazin vielleicht. Nein nein, Großformat, Großformat, mein Freund.

B. Großformat.

A. Der Kleingeist passt ins Kleinformat.

B. Aber ich habe Sie noch nie mit einer kleinen Zeitung gesehen.

A. Das ist richtig. Ich lese sowas auch nicht.

Ab.


Zauberberg

A. Wissen Sie, haben Sie gewusst, dass das Rauchen das einzige ist, das noch Bestand hat? Das einzige, das mir noch Spaß macht?

B. Nein.

A. Denken Sie an diesen Roman von Thomas Mann. Wie heißt er noch gleich? Na, Sie wissen schon, im Sanatorium, auf irgendeinem Berg. Welcher Berg ist das noch gleich?

B. Zauberberg.

A. Nein, Zauberberg, das ist doch kein Berg, nein, nein, anders hieß das. Mir will es partout nicht einfallen.

B. Zauberberg, das ist es wonach Sie suchen.

A. Nein, hören Sie doch! Nicht Zauberberg. Zauberberg, das habe ich nie gehört. Nein nein, kennen Sie die Geschichte nicht? Er geht auf eine Kur, obwohl er gar nicht müsste, und dort ist der andere, sein Schwager, war es sein Schwager?, oder sein Neffe, Onkel?, Bruder, nein, sein Bruder war es nicht, ich weiß es nicht, ist ja auch ganz egal, aber irgendetwas mit einem Berg, ach wie heißt nur dieser Berg?

B. Zauberberg.

A. Nein und nein! Nicht Zauberberg! Zauberberg, was wollen Sie damit? Wollen Sie mich ärgern? Ich kann mich doch noch auf mich verlassen. Wissen Sie, mein Gedächtnis läuft noch prima, selten täusche ich mich. Aber dass dieser Berg mir jetzt nicht einfällt…

B. Mont Blanc?

A. Sie wollen mich provozieren? Sie wollen wohl, dass ich gehe? Sie können es ruhig sagen, wenn Sie wollen, dass ich gehe. Dann gehe ich einfach. Wollen Sie, dass ich jetzt gehe?

B. Nun…

A. Auf jeden Fall dieser Berg. Dieser Berg. Aber lassen wir das. Ich wollte auch gar nicht auf diesen Berg hinaus, mich interessiert dieser Berg gar nicht. Mont Blanc! Na auf jeden Fall, was wollte ich sagen? Was wollte ich eigentlich sagen? Wieso rede ich jetzt eigentlich über diesen Berg?

B. Rauchen.

A. Aja. Rauchen. Das wollte ich sagen. Thomas Mann sagte einmal, nein, vielmehr, er legt es in den Mund seiner Figur, dass er nur esse, damit er anschließend rauchen könne. Ja, das war‘s. Und ein Tag ohne Rauchen sei ein unnützer Tag.

B. Ja?

A. Ja. Und ich stimme dem vollkommen überein. Ein Tag ohne Rauchen ist wie Jazz ohne Kontrabass. Da fehlt doch was. Verstehen Sie?

B. Ja ja.

A. Und was ich noch sagen wollte. Lassen Sie mich nachdenken. Ich wollte noch sagen…

B. Ja was denn?

A. Lassen Sie mich überlegen! Ja. Stellen Sie sich ein Kaffeehaus, eins wie dieses, ohne Rauchen vor…

B. Ich rauche nicht.

A. …was für einen Sinn hätte dieses Kaffeehaus dann? Warum sollte man dann hierherkommen? Verstehen Sie? Und jetzt fangen sie an, uns das Rauchen zu verbieten.

B. Ihnen, mein lieber Herr, Ihnen.

A. Ja mir, natürlich, und meinen Rauchgenossen. Das ist doch absurd. In einem Kaffeehaus das Rauchen zu verbieten. Wo kommen wir denn da hin? Da kann ich doch meinen Kaffee auch zuhause trinken!

Pause.

B. Sie können auch zuhause rauchen.

A. Nein, zuhause rauche ich nicht. Wissen Sie, der Geruch, das geht dann nicht mehr weg, nein nein, zuhause rauche ich nicht. Jahre schon nicht. Nein. Dieser kalte Rauch, wissen Sie, da ekelt mir, nein, das will ich nicht.

B. Mein lieber Herr. Was soll ich dazu sagen?

A. Nichts. Sie verstehen das nicht. Sie sind kein Raucher, wenn ich nicht irre. Essen Sie lieber weiter ihren Topfenstrudel, der Ihnen übrigens zuckermäßig ganz schlecht bekommt, ja, mein Lieber, über das sollten Sie mal nachdenken. Aber jeder wie er will.

B. Danke für Ihre Sorge.

A. Ich appelliere an die Toleranz! Lassen wir jeden das tun, was er für richtig hält, ja, was ihn glücklich macht. Denn um das geht es doch im Leben, wie?

B. Möchten Sie auch ein Stück Strudel?

A. Gerne.

A nimmt eine Gabel Strudel zu sich.

Pause.

A. Mit vollem Mund. Was sagen Sie eigentlich zu diesen Leuten auf der Straße? Die Protestanten. Das heißt die Demonstranten. Das Aufdiestraßegehen, ich weiß nicht. Das ist doch zuviel des Guten. Solidarität hin oder her, irgendwann muss mal Schluss sein.

Ab.


Revolution

B sitzt am Tisch, zeitunglesend.
A kommt aufgebracht hinzu.

A. Was denken Sie?

B. Was betreffend?

A. Na über diesen Aufmarsch auf der Straße, die ganzen Leute, das Getümmel, die Aufregung, die sogar mich angesteckt hat, der ich doch nichts damit zu tun habe! Ich bin keiner von denen!

B. Von welchen?

A. Na von denen! Auf der Straße! Das Getümmel, das Geschrei eben! Sagen Sie, gehen Sie blind durch die Welt? Ach was rede ich mit Ihnen, Sie sind doch ein Ignorant.

B. Welche Ehre!

A. Sehen Sie mich an! Ganz außer Atem! Dabei bin ich keiner von denen! Von der Straße! Die auf der Straße sind! Die von der Straße sind! Ich bin nicht von der Straße! Glauben Sie mir?

B. Was weiß ich. Setzen Sie sich doch, beruhigen Sie sich. Hetzen Sie sich nicht ab. Was geht es Sie an? Was schert es Sie? Sie sind keiner von denen. Das sieht man doch sofort.

A. Wie meinen Sie das?

B. Man sieht sofort, dass Sie keiner von denen sind.

A. Glauben Sie das?

B. Ja.

A. Wie meinen Sie das?

B. So wie ich es sagte.

Pause.

A. Glauben Sie, ich könnte nicht auf der Straße stehen und den Aufmarsch mitmachen? Glauben Sie, ich bin keiner von denen, ich könnte keiner von denen sein?

B. Ja das glaube ich.

A. Warum?

B. Weil man es Ihnen ansieht.

A. Ja?

B. Ja. Sie werden nie einer von denen sein.

A. Glauben Sie nicht?

B. Nein.

A. Sie meinen, ich könnte nicht auf der Straße stehen und revoltieren…

B. Nein.

A. …gegen die Ungerechtigkeit der politischen Herrschaftsklasse? Meinen Sie, ich könnte nicht…

B. Nein.

A. …den Säbel schwingen, die Stimme erheben für das hintergangene Volk? Meine tiefe und ehrliche Solidarität zeigen…

B. Nein.

A. …mit meinem reinen Hemd und meiner weißen Seele?

B. Nein.

A. Nun, mein Herr, dann werden Sie nunmehr eines Besseren belehrt!

A dreht sich um und geht willigen Schrittes ab.
B nimmt seine Zeitung vom Schoß und seine unterbrochene Lektüre wieder auf.

Ab.


Nostalgie

A. Wissen Sie, man wird älter, man sieht Dinge anders.

B. Sie sehen Dinge anders?

A. Ja, ich meine, Dinge, die oft gut erscheinen, sind es auf den zweiten Blick gar nicht.

B. Ja, so ist das.

A. Und umgekehrt.

B. Was?

A. Umgekehrt auch. Dinge sind manchmal nicht so gut wie sie erscheinen.

B. Aber das sagten Sie ja gerade.

A. Nein, umgekehrt. Umgekehrt sagte ich es.

B. Also! Sie sagten jetzt zweimal das gleiche.

A. Nein nein, verstehen Sie nicht? Auf den zweiten Blick sind Dinge, die gut erscheinen, nicht gut. Sondern umgekehrt, schlecht.

B. Wie meinen Sie das jetzt mit Ihrem „umgekehrt“?

A. Was ist da so schwer zu verstehen?

B. Sie meinten vorhin, Dinge, die gut erscheinen, sind es manchmal nicht, und, dieses Prinzip, umgekehrt, also Dinge, die schlecht erscheinen, sind es oftmals nicht, sind gut. Das meinten Sie doch? Oder, Dinge die gut erscheinen, sind es manchmal nicht, sind es also umgekehrt, und zwar schlecht. Meinten Sie es so?

A. Von was reden Sie eigentlich? Wollen Sie mich verwirren? Wie komme ich dazu? Sie verstehen es wohl nicht, also lassen wir das. Vergessen Sie einfach, was ich sagte. Sie hören mir ja doch nicht zu.

Pause.

Kellner bringt zwei Kaffee. A nippt an seinem.

A. Der Kaffee ist auch nicht mehr das, was er einmal war.

Ab.


Tee

A. Haben Sie diesen neuen Kaffee schon mal probiert, der ist jetzt neu, den gibt’s jetzt neu hier, den haben sie sozusagen eingeführt.

B. Ich trinke Tee.

A. Sie trinken Tee? Dann werden Sie nie diese Innovationen kennenlernen. Dann bleiben Sie immer bei Ihrem Tee und nichts ändert sich.

B. Es gibt ja die verschiedensten Teesorten, sehen Sie, es gibt den grünen, den schwarzen, den chinesischen da, den indischen, es gibt Kräutertees, Früchtetees, weiße Tees.

A. Ach lassen Sie mich in Ruhe mit Ihrem Geschwätz. Es ist dieser Teelifestyle, der mir Sorgen bereitet. Die Menschen gehen in diese Lokale, nur zum Teetrinken, und dann sitzen sie da und plaudern, sie reden nicht, sie plaudern miteinander und haben dann den jeweiligen Tee zwischen den Fingern und trinken in kleinen Schlücken weil er so heiß ist und weil sonst die Zunge verbrennt und dann …

B. Wovon reden Sie?

A. Ich mag keinen Tee. Ich mag die Menschen nicht, die Tee trinken.

B. Ach ja?

A. Ja, und die Menschen, die dann da ihren Tee trinken, die trinken nicht einfach ihren Tee, die zelebrieren ihr Teetrinken regelrecht, und dann gehen sie umher, und propagieren ihr Teetrinken und erzählen allen, wie viel gesünder das Teetrinken ist als das Kaffeetrinken und machen einem ein schlechtes Gewissen.

B. Aber nicht jeder ist so wie Sie das beschreiben.

A. Doch. Jeder! Jeder Teetrinker ist so, und wenn er es noch nicht ist, wird er es, dann wird er der gleiche Propagandist wie alle anderen Teetrinker.

B. Propagandist?

A. Sehen Sie diese beiden Herren dort?

B. Nein.

A. Schauen Sie, dort drüben, an den zwei Tischen?

B. Ja.

A. Der eine trinkt Tee und trägt weiße Socken und liest eine kleinformatige Zeitung. Der andere trinkt Kaffee und trägt schwarze Socken und liest eine großformatige Zeitung. Das ist der bildliche Unterschied zwischen Teetrinkern und Kaffeetrinkern.

Pause.

B. Wie schmeckt denn der neue Kaffee?

A. Scheußlich.

Ab.


Puccini

A. Hören Sie eigentlich Musik?

B. Och, wissen Sie…

A. Weil ich höre ja Musik. Ich höre Musik hier und da, wenn mir danach ist sozusagen, zum Zeitvertreib, zum Entspannen meistens, dann setze ich mich hin und höre, obwohl, ich muss sagen, mir wird dann auch recht schnell langweilig, ich muss dann etwas machen, mich mit etwas beschäftigen, weil einfach nur sitzen und musikhören, das geht dann meistens nicht. Wie ist das bei Ihnen?

B. Selten.

A. Was selten?

B. Selten hör ich Musik, wenn halt gerade ein Radio läuft irgendwo, im Auto, oder im Supermarkt auch, da hör ich dann schon mal hin.

A. Ja ja.

Pause

A. Ja und letzensmal, da saß ich irgendwo, bei einem Bekannten mir scheint’s, und da hat der eine Platte aufgelegt, wissen Sie, und da frage ich den Bekannten, was er da spielt und der sagt „Oper“.

B. Oper?

A. Ja, Oper hat der dann gesagt.

B. Verdi?

A. Nicht Verdi, wie mir scheint, ich glaube Puccini war‘s, wenn ich mich nicht irre, ich glaube er meinte, er sagte Puccini, halt ein Italiener.

B. Ja kenn ich, den Puccini.

A. Und als ich dann dort saß, bei diesem Bekannten, horchte ich auf die Musik, ganz genau horchte ich, gründlich.

B. Ja und?

A. Ja nichts. Aber da ist mir aufgefallen, dass, wenn die Sänger und auch die Sängerinnen in dieser Oper miteinander, sozusagen gegeneinander singen, in einem Dialog kann man sagen, im Duett sozusagen, ist das dann kaum auszuhalten.

B. Ja?

A. Diese Dramatik, wissen Sie, die halte ich dann nicht aus. Schön ist eine Oper, wenn sie einzeln singen, leise und sachte und schön halt.

B. Schön.

A. Das hab ich dann auch meinem Bekannten gesagt.

B. Ja?

A. Jaja und wenn es dann dramatisch zugeht, laut und leise und die Dynamik, hab ich gesagt, dann halte ich es nicht aus. Die Opernsänger müssen singen, nicht erzählen, hab ich gesagt. Sobald einer zum Erzählen anfängt, ist es aus. Oper ist keine Erzählung und keine Dramaturgie. So hab ich das gesagt.

B. So?

A. Opernmusik ist bekömmlich, wenn jemand singt und niemand erzählt.

B. Singen also.

A. Ja, singen.

Pause.

B. Haben Sie eigentlich ein Abonnement zur Stadtoper?

A. Natürlich!

Ab.


Chaplin

A. Kennen Sie den Chaplin?

B. Den Chaplin? Natürlich kenne ich den.

A. Ja und kennen Sie auch diesen einen Film mit ihm, wo er ein Waisenkind aufnimmt?

B. Ja, nein, ist mir gerade kein Begriff.

A. Das Gesichtchen dieses Kindes, ich sage Ihnen, das vergessen Sie nicht.

B. Soso.

A. Ich hab einmal gelesen, dass eine Mutter ihren Sohn nach dem Namen dieses Kindes in diesem Film taufte. Also den gleichen Namen hat sie ihm gegeben.

B. Ja. Aha.

A. Das vergessen Sie nicht wieder, dieses Gesicht.

Pause

A. Der Kaffee ist scheußlich heute. Was trinken Sie?

B. Tee.

A. Tee?

B. Ich trinke immer Tee. Seit wir uns kennen, seit wir in diesem Kaffeehaus sitzen, jahrein jahraus, trinke ich Tee.

A. Jahrein jahraus?

B. Jahrein jahraus.

Pause.

A. Ich muss gehen.

B. Ruft nach. Und Ihr Kaffee?

A kommt zurück, setzt sich und nippt von seinem Kaffee.


Sünde

A. Es gibt die Menschen, die essen täglich einen Apfel. Täglich!

B. Was spricht dagegen?

A. Sie essen nicht nur den Apfel, sie zeigen das auch her, sie gehen umher und beißen mal hie mal da vom Apfel ab, demonstrativ.

B. Äpfel sind gesund, nicht wahr, da gibt es doch auch dieses Sprichwort, mit einem Apfel und einem Arzt, wenn ich mich nicht irre.

A. Wo man doch weiß, dass Gemüse das Obst ersetzt in gesundheitlicher Hinsicht. Man braucht in Wahrheit gar kein Obst essen.

B. Meinen Sie?

A. Und schon gar keine Äpfel.

Pause.

A. Finden Sie es nicht auch seltsam, dass Christen Äpfel essen?

B. Wie kommen Sie darauf?

A. Immerhin, sagt man, ist der Apfel die verbotene Frucht, Sie wissen schon, die Geschichte mit der Schlange und dem Apfel.

B. Sie meinen den Sündenfall.

A. Richtig, Sündenfall nennen die das. Und die Frau isst da den Apfel und bricht Gottes Instruktion und sie werden aus dem Paradies geworfen, also jetzt nicht bildlich, sie bekommen keinen Fußtritt und landen auf der Straße, aber so in etwa.

B. Und?

A. Und so ist der Apfel doch der Feind, nicht wahr, die böse Nahrung, weil die Frau davon aß und heute gehen Christen, die diese Geschichte dann glauben, in den Supermarkt und kaufen sich Äpfel und beißen demonstrativ davon ab. Da passt doch was nicht.

B. Man darf diese Sachen selbstverständlich nicht allzu ernst nehmen, nicht wortwörtlich.

A. Ich weiß nicht, anderes nehmen diese gläubigen Christen sehr wohl wortwörtlich und diese zehn Gebote und was es da noch alles gibt, bloß das mit dem Apfelessen haben sie sich doch nicht nehmen lassen.

Pause.

A. Wie geht es Ihrer Frau?

B. Solala.

A. Aja.

Pause.

Ab.


Auto

A. Wenn ich mit dem Auto fahre, blinke ich nie; das heißt, ich blinke gewählt, nicht wie viele andere fanatischen Blinker.

B. Wovon sprechen Sie?

A. Wenn ich mit dem Auto fahre, wissen Sie, ich blinke selten, gewählt, wenn es unausweichlich ist, wenn es zwei oder auch mehr Möglichkeiten gibt, wissen Sie, dann blinke ich, dann gehört es sich so, wenn ich aber beispielsweise ohnehin nur nach rechts fahren kann, dann blinke ich nicht nach rechts.

B. Soso.

A. Bei vielen Autofahrern kann man eine regelrechte Inflation des Blinkens beobachten. Man muss doch gewählt blinken, so wie man sich gewählt ausdrückt und gewählt seine Garderobe auswählt.

B. Was nun hat Autofahren mit Ihrem Gewand zu tun?

A. Lacht verächtlich. Mehr als Sie ahnen, mein Freund, mehr als Sie ahnen.

Pause.

A. Wie sind Sie hergekommen?

B. Woher?

A. Was heißt Woher? Hierher. Ins Kaffeehaus.

B. Ich fuhr mit der Straßenbahn.

A. Mit der Straßenbahn?

B. Mit der Straßenbahn.

Pause.

A. Wären Sie schneller mit dem Auto?

B. Ja.

A. Um einiges schneller?

B. Um einiges schneller.

A. Nun?

B. Nun was?

A. Warum fahren Sie nicht mit dem Auto?

B. Es spart mir Geld…

A. …aber keine Zeit.

B. Es spart mir Geld und ich verpeste keine Luft.

A. Soso.

Pause.

B. Wie sind Sie hierhergekommen?

A. Ins Kaffeehaus?

B. Ja.

A. Zu Fuß. Ich gehe immer zu Fuß. Ich fahre selten mit dem Auto. Beinah nie, könnte man sagen.

Ab.


Spiegel

A. Blättert in der Zeitung. Liest vor: „Willst du über das Grauen der Welt schreiben, lies die Zeitung, Tag für Tag.“

B. Wie meinen?

A. Das steht hier in der Zeitung.

Pause.

A. Sieht von der Zeitung auf. Es ist schon erstaunlich, wie brüchig die Stimme der Billie Holiday ist. Und doch ist sie einer der schönsten.

B. Ich kann das nicht beurteilen, ich kenne mich in der Musik nicht aus.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen. Ein Mann, der Straßenzeitungen verkauft, tritt an ihren Tisch.

A. Zu ihm. Danke, nein, ich habe schon eine, letztens, bei Ihrem Kollegen, ich habe ihm eine abgekauft, das wäre ja auch Unsinn, wenn ich zwei zuhause liegen hätte, danke, nein, danke.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

A. Die Universität wird besetzt. Zuerst in W., dann in G., dann in S., dann in K., dann in I., dann in L. Eine Kettenreaktion. Liest vor: „Die studentischen Besetzer fordern basisdemokratische Strukturen, indem sie keinen Sprecher einsetzen.“

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

A. Als ich letzthin im Supermarkt stand, nahm ich mir vor, vor jedes einzelne Produkt zu treten und sorgfältig zu überprüfen, ob es gebraucht wird.

B. Sieht zu A hin. Und?

A. Ich kaufte dann einen Liter Milch.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

A. Sieht von der Zeitung auf. Das Saxofonspiel von Ben Webster geht mir meist schnell auf die Nerven. Ich schalte dann um.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

A. Liest aus der Zeitung: „Jeder zweite Franzose nimmt nach der Schule in seinem Leben kein Buch mehr zur Hand.“

B. Sieht in seine Zeitung. Ja, nun gut, man liest ja auch wenig Bücher, in diesen Zeiten, Fernsehen und Internet und die Jugendlichen werden gewalttätiger mit diesen Computerspielen.

A. Jaja.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

A. Nehmen Sie den „Spiegel“ zur Hand und lesen Sie ihn durch. Es wird Ihnen schlecht sein nachher.

B. Ich lese keinen „Spiegel“, ich bevorzuge die Lokalzeitungen.

A. Achja, die Lokalzeitungen?

B. Die Lokalzeitungen.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

A. Sieht von der Zeitung auf. In manchen Stücken begleitet der Saxofonist Lester Young die Sängerin. Dann ist es, als weinten sie im Duett.

B. Ich höre kaum Musik, wie Sie wissen, ich bevorzuge das Radio.

A. Sieht zu B. hin. Das Radio? Wer hört Radio?

B. Ich höre Radio.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

A. Aber ist das ist doch dekadent, wenn niemand mehr Bücher liest.

B. Ich lese wenig Bücher, ich habe einige im Regal daheim, aber ich lese zurzeit wenig, ich bevorzuge da die Lokalzeitung.

A. Die Lokalzeitung.

B. Die Lokalzeitung.

Pause. Beide blättern in ihren Zeitungen.

Ab.


Kreuzworträtsel

A. Blättert in der Zeitung, hält inne. Na sehen Sie sich das an!

B. Was? Was ist passiert?

A. Hier. Zeigt B. die Zeitung.

B. Ich verstehe nicht.

A. Jemand hat hier in dieser Zeitung das Kreuzworträtsel ausgefüllt. In dieser Zeitung!

B. Und?

A. Man kann doch in einer Zeitung, die im Kaffeehaus aufliegt, nicht das Kreuzworträtsel ausfüllen.

B. Wie meinen?

A. Das weiß man doch, das ist doch ein ungeschriebenes Gesetz.

B. Ein ungeschriebenes Gesetz?

A. Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz, das ganz klar, klipp und klar, besagt, dass man in einer Zeitung, die im Kaffeehaus aufliegt, nicht das Kreuzworträtsel ausfüllen kann. Wissen Sie das nicht?

B. Lächelt. Nein, das wusste ich nicht.

A. Amüsiert Sie das? Ich meine das ganz ernst, glauben Sie mir. Diese Zeitung – hebt die Zeitung in die Höhe – wird von mehreren Menschen gelesen, da ist es doch ein Affront, wenn man da auf ein ausgefülltes Kreuzworträtsel stößt.

B. Meinen Sie?

A. Das meine ich, mein Herr. Manchmal geschieht es, dass gar ein Teil der Zeitung herausgenommen wurde. Da geht man ins Kaffeehaus, freut sich auf eine Tasse Kaffee, freut sich auf die Zeitung, und dann ist da das Feuilleton herausgenommen.

B. Soso?

A. Dann blickt man verstohlen im Raum umher und meint bei jedem, er sei der Missetäter. Ein Affront ist das! Da freut man sich auf den Kaffee und dann ist das Feuilleton nicht da! Einfach herausgenommen!

B. Das ist mir noch nie widerfahren.

A. Was sind das für Menschen, die ins Kaffeehaus gehen und das Feuilleton herausnehmen, meinen die, es gehöre ihnen, meinen die, man könne alles machen? Nehmen die sich das schon zuhause vor und denken sich, heut geh‘ ich ins Kaffeehaus und mit dem Feuilleton wieder heim?

Pause.

A. Überhaupt, warum füllen Menschen Kreuzworträtsel aus? Ich hatte immer den Verdacht, die machen das, damit die Zeit vergeht. Das ist wie beim Kartenspielen.

B. Ich fülle Kreuzworträtsel aus.

A. Sie füllen Kreuzworträtsel aus?

B. Ja, manchmal fülle ich Kreuzworträtsel aus.

A kneift seine Augen zusammen und sieht B. scharf ins Gesicht.

A. Kann ich Ihnen eine Frage stellen?

B. Nur zu! Aber eines kann ich Ihnen gleich sagen, ich habe die Zeitung heute noch nicht gelesen. Ich lese nur die Lokalzeitungen, wie Sie wissen.

A. wendet sich wieder seiner Zeitung zu, murmelt einige unverständliche Worte und blättert darin weiter. B. nippt von seinem Tee.

Ab.


Fünfzig Jahre

A. Sie müssen sich vorstellen, Charles Schulz zeichnete fünfzig Jahre lang täglich einen Comicstrip.

B. Wer ist Charles Schulz?

A. Charles Schulz? Der Zeichner der „Peanuts“. Sie kennen doch die „Peanuts“, Charlie Brown. Im Volksmund „Snoopy“.

B. Welcher Volksmund?

A. Das Volk kennt die Zeichnungen vor allem unter dem Namen des darin vorkommenden Hundes, Snoopy. Die „Peanuts“ werden durch den Snoopy bagatellisiert.

B. Ja und was interessiert mich jetzt ein Comic-Hund?

A. Sie verstehen nicht, er zeichnete jeden Tag einen Comic, dieser Charles Schulz, täglich! Fünfzig Jahre lang!

B. Was Sie nicht sagen.

A. Fünfzig Jahre lang. Von 1950 bis 2000. Und dann wollte er nicht mehr.

B. Wer?

A. Schulz.

Pause.

A. Wie man über fünfzig Jahre hinweg Themen findet. Themen zumal, die in vier kleinen Bildern hineinpassen.

B. Wissen Sie, ich lese keine Comics, ich lese die Regionalzeitung. Comiclesen, das machen Kinder.

A. verstummt für einige Augenblicke.

A. Aufgebracht. Ein Banause sind Sie, ein recht einer, Sie haben keine Ahnung, wovon Sie reden, Sie reden und reden und haben keine Ahnung, so ist das, Sie sitzen da, selbstgefällig wie Sie sind, und reden über Dinge, wovon Sie keine Ahnung haben! Ich sage Ihnen, wovon man nicht sprechen kann, soll man schweigen!

B. Wittgenstein!

A. Hoho! Sie haben also doch ein wenig Ahnung, wie ich sehe.

B. Ja, Wittgenstein, das hat er gesagt, wovon man nicht reden kann, davon soll man schweigen, wenn jemand über etwas nicht Bescheid weiß, soll er den Mund halten, da muss ich keinen Wittgenstein lesen, um das zu verstehen, das hätte auch ich herausgefunden. Wo ist denn da die Philosophie? Das ist doch keine Philosophie, das sagt mein Nachbar auch, oft zu seinem Jungen im Übrigen. Der tut mir dann auch irgendwie leid. Mein Nachbar ist also ein Wittgensteinianer.

A. Wissen Sie was? Lesen Sie Ihre Regionalzeitung weiter, die tut Ihnen gut.

Ab.


Hinterblieben

A. Sind Sie heute gar nicht auf dem Friedhof?

B. Auf dem Friedhof?

A. Immerhin ist Allerheiligen. Und das ist hierzulande ein Grund, sich auf dem Friedhof einzufinden.

B. Nein, ich gehe nicht auf den Friedhof.

Pause.

A. In Reih‘ und Glied stehen dann die Hinterbliebenen und blicken bedächtig aufs Grab.

Pause.

A. Warum heißt es eigentlich „Hinterbliebene“, das ist merkwürdig, denn hinterblieben sind die Hinterbliebenen ja bloß aus der Sicht des Verstorbenen. Und unter uns, der Verstorbene hat eigentlich keine Sicht mehr, in dem Sinne.

B. Das haben Sie wunderbar beobachtet, mein Herr.

Pause.

A. Und die Kinder stehen dazwischen und wissen nicht, wie ihnen geschieht und sehen die Trauer in den Gesichtern der Erwachsenen und ahmen die Trauer dann nach und alles fügt sich in selige Bedächtigkeit.

B. Spricht nach. Die selige Bedächtigkeit.

Pause.

A. Ein ähnliches Szenario finden Sie freilich bei Militäraufmärschen an Nationalfeiertagen, eine feierliche Stimmung bemächtigt sich der Menschen und niemand weiß, woher diese Stimmung rührt, aber sie steckt alle an und alle Angesteckten erzeugen wiederum diese feierliche Stimmung. Eine groteske Wechselwirkung, wenn Sie mich fragen.

B. Allerdings frage ich Sie nicht.

A. Manchmal sind Sie ganz schön unverschämt, das muss ich sagen, das ist ja allerhand.

B. Allerhand.

A. Allerhand ist das.

B. Woher stammt eigentlich dieses „Allerhand“? Die Hände aller? Zu Händen aller? Da passt ja der Zusammenhang nicht.

A. Ach, wissen Sie, ich frage Sie nicht, mich interessiert das gar nicht. Ich weiß gar nicht, warum ich mich immer wieder mit Ihnen im Kaffeehaus sitzen sehe.

B. Seien Sie nicht beleidigt… Lauscht plötzlich. Hören Sie die Trompetenmusik? Die schöne Trompetenmusik?

A. Ich höre keine Trompetenmusik und mich interessiert keine Trompetenmusik. Allerhand ist das!

A. verstummt und schaut finster in seine Sonntagszeitung, B. lauscht weiter der von ferne erklingenden Trompetenmusik und hat ein Lächeln auf den Lippen.

Ab.


Lokal

A. Blättert in der Zeitung vor und zurück. Sehen Sie, in dieser Zeitung ist die Reihenfolge der Teile richtig angelegt, Politik, Feuilleton, Wirtschaft. Erstens zweitens drittens. Punktum.

B. Punktum.

A. Kein Schnickschnack, keine Reisen, kein Wissen, keine Medizin, kein Lokalteil.

B. Wenn eine Zeitung keinen Lokalteil hat, lese ich sie nicht. Es sei denn der Lokalteil berichtet aus Lokalem in, sagen wir, Frankreich, dann lese ich ihn auch nicht.

A. Erstens zweitens drittens.

B. Wie meinen?

A. Politik, Feuilleton, Wirtschaft.

B. Aha.

A. Auf die Wirtschaft könnte ich auch verzichten.

B. Soso.

A. Und vor allem kein Sport.

B. Sie lesen nicht den Sportteil?

A. Ich hasse den Sportteil.

B. Das wusste ich nicht.

A. Je weniger Seiten Sport eine Zeitung hat, desto besser ist sie. Gibt es gar keinen Sportteil, ist es meine Zeitung.

B. Sie mögen keinen Sport?

A. Ich hasse Sport.

B. Und darum lesen Sie auch den Sportteil nicht?

A. Ja.

B. Die Frage stellt sich, gibt es Menschen, die Sport hassen, aber den Sportteil lesen?

A. Das wäre doch paradox.

B: Oder lassen Sie es mich folgendermaßen formulieren, gibt es Menschen, die den Sportteil hassen, aber den Sport lieben?

A. Das wäre noch paradoxer.

B. Lassen Sie mich noch eine Frage stellen. Lesen Sie gerne den Politikteil?

A. Allzugerne.

B. Sind Sie Politiker?

A. Nein.

B. Na sehen Sie.

Pause.

A. Und doch ist das etwas ganz anderes, weil Politik ist wesentlich, wohingegen Sport…

B. Spricht A ins Wort. Ich bitte Sie, lassen Sie mich meinen Lokalteil in Ruhe fertiglesen.

Beide verstummen.

Ab.


Moral

A. Kürzlich las ich, ein Gentleman sei jemand, der Akkordeon spielen könne, es aber nicht tue.

B. Was soll das heißen?

A. Ja, nichts, ich wollte das nur einmal erwähnt haben.

B. Dieser Satz bringt mich jetzt nicht weiter, ich kann damit mein Leben nicht verbessern.

A. Das Leben verbessern? Wie wollen Sie denn das Leben verbessern?

B. Nun, moralisch.

A. Moralisch?

B. Moralisch. Moral.

A. Welche Moral meinen Sie? Ihre, meine, jene?

B. Eine anerkannte Moral meine ich, eine, die für jeden gültig ist.

A. Ja meinen Sie denn, so etwas gibt es?

B. Das will ich doch hoffen!

A. Meine Moral beinhaltet die Entscheidung über die Frage, ob ich noch einen Kaffee trinken soll, der im Übrigen wieder grässlich ist heute, Ihre Moral macht mit Ihnen einen Spaziergang in die Kirche, jene Moral kauft heimische Tomaten und führt damit die spanischen in den Bankrott.

B. Meine Moral besagt etwa, dass ich keinen bestehle.

A. Sagt Ihnen das Ihr Verstand oder sagen Ihnen das die zehn Gebote?

B. Das ist einerlei. Solange es aufs Gleiche hinausläuft.

Pause.

A. Die Moral des Gentlemans ist es, nicht Akkordeon zu spielen. Da können Sie sich was abschauen.

Ab.


Entscheidung

A. Wissen Sie, das schwierigste dieser Welt ist das Fällen von Entscheidungen.

B. Entscheidungen?

A. Immer muss der Mensch Entscheidungen fallen, das fängt schon in der Früh an mit der Frage, soll man aufstehen oder nicht. Putzt man sich die Zähne oder nicht. Welche Schuhe zieht man an, welche Kleidung zieht man an, welchen Radiokanal höre ich und so weiter, es findet kein Ende.

B. Kein Ende, ha?

A. Kein Ende. Soll ich Kinder bekommen, soll ich sie taufen lassen, soll ich noch einen Kaffee trinken, soll ich täglich duschen, welchen Tee kaufe ich ein, welche Lebensmittel kaufe ich ein, soll ich mir eine Katze halten, soll ich eine Wohnung im letzten Stock mieten, fahre ich mit dem Fahrrad oder mit dem Auto? Wissen Sie, wenn ich im Supermarkt stehe, halte ich die Entscheidungsanforderung kaum aus.

B. Kaufen Sie doch immer das gleiche, dann müssen Sie sich nicht entscheiden.

A. Ja, ein Paar Schuhe, ein Fahrrad, ein Sakko, ein Paar Socken, eine Teesorte, ein Fernsehprogramm, keine Kinder.

B. Somit ist auch das erledigt für heute.

A. Ja.

Pause.

B. Wollen Sie noch einen Kaffee trinken?

A. Natürlich!

Ab.


Zeitung

A. Letztens beobachte ich an mir die Angewohnheit, begonnene Zeitungsartikel nicht fertigzulesen.

B. So?

A. Ich lese etwa die Hälfte, etwas mehr als die Hälfte, und dann höre ich auf zu lesen.

B. Warum hören Sie auf?

A. Ich habe das Gefühl, ich weiß was kommt, was immer noch kommen wird, es bringt mich nicht weiter, das, was noch kommt, wird nichts Neues sein, wird nichts sein, was nicht schon geschrieben wurde zu Beginn.

Pause.

A. Freilich geschieht dies nur bei längeren, langen Artikeln, bei seitenlangen Artikeln. Nicht bei dreizeiligen Informationsmitteilungen. Die lese ich ohnehin nicht.

B. Die Lokalzeitungen, die ich lese, haben keine seitenlangen Artikel, kurz und bündig ist da alles. So mag ich das. Wichtige Informationen, die das Land angeht, in dem ich lebe.

A. Zeitunglesen aber ist doch keine Informationsverarbeitung. Weil in der Zeitung ist die Information ohnedies immer einen Tag zu alt, um wirklich relevant zu sein.

B. Ich lese Zeitung zur Information. Information, die mein Land betrifft.

A. Dann könnte Sie gleich das Radio hören.

B. Überlegt. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht.

A. Im Radio habe Sie Ihre Informationen eins zu eins, im Stundentakt, live, wenn man so will.

B. Das ist richtig. Gibt es lokales Radio?

A. Natürlich gibt es lokales Radio.

B. Dann werde ich mich darum kümmern.

A. So, und nun lassen Sie mich diesen Artikel hier fertiglesen. Ich komme gar nicht dazu mit Ihrem ganzen Geschwätz.

Ab.


La Mettrie

A. La Mettrie schrieb, das Volk sei überall dumm und platt.

B. Platt?

A. Platt.

B. Ich weiß nicht, ob platt es trifft.

A. Platt trifft es.

B. Dumm möglicherweise, aber platt?

A. Ich denke platt.

B. Geht platt nicht zu weit?

A. Platt ist gerade richtig.

B. Platt ist durchaus sehr forsch.

A. Neinnein, nicht forsch, sondern wahr.

B. Dem Dummen könnte ich auch nichts einwenden, mag er meinen, dumm sei das richtige Wort, platt hingegen erscheint mir doch übertrieben, wenn nicht zugespitzt.

A. Zugespitzt?

B. Wenn nicht zugespitzt, so doch übertrieben.

A. Übertrieben?

B. Nun, eins von beiden müssen Sie mir schon lassen.

A. Ich halte es weder für übertriebene noch für überspitzt, ich halte es für richtig.

B. Platt?

A. Platt.

B. Meinen Sie?

A. Durchaus.

B. Durchaus, durchaus! Ein hässliches Wort.

A. Sie haben es gerade selbst verwendet.

B. Weil ich zu oft mit ihnen beisammen sitze.

A. Ach!

B. Durchaus, durchaus. Bloß alte Leute, die Pullunder tragen, verwenden das Wort durchaus.

A. Meinen Sie?

B. Das Wort ist tot!

A. Meinen Sie?

B. Pullunder ist tot!

A. Und Pullunder bleibt tot.

B. Wie meinen Sie?

A. Ach nichts.

B. Wer ist eigentlich dieser La Mettrie?

Ab.


Humor

A. Ich erzähle Ihnen nun die kürzeste humoristische Kurzgeschichte.

B. Ja, erzählen Sie.

A. Interessiert Sie das nicht?

B. Doch doch, erzählen Sie.

A. Also wenn Sie das nicht interessiert, wir müssen auch nichts reden miteinander.

B. Nun erzählen Sie schon.

A. Hören Sie mir dann überhaupt zu, wenn ich sie erzähle, meine Kurzgeschichte?

B. Ich höre Ihnen zu, und wenn Sie nicht bald erzählen, höre ich Ihnen nicht mehr zu.

A. Ich muss sie auch nicht erzählen, es muss ja nicht sein.

B. Gut, dann nicht, machen Sie was Sie wollen.

Pause.

B. Nun sehen Sie mich nicht so an, erzählen Sie schon, erzählen Sie!

A. Nein.

Pause.

A. leise Und ich dachte Sie mögen Kurzgeschichten, und Sie sind obendrauf noch humoristisch. Sie mögen doch Humor, Sie sind doch humorvoll, Sie sind doch einer von diesen humorvollen Menschen.

B. Was bin ich?

A. Ja, einer der sich doch keinen Scherz entgehen lässt, nicht wahr.

B. Wie meinen Sie das?

A. Sie wären übrigens ein wunderbarer Patient für die Psychoanalyse.

B. Bitte?

A. Ach nichts.

Pause.

A. Also ich erzähle jetzt. Wollen Sie die kürzeste humoristische Kurzgeschichte hören?

B. Ja will ich, erzählen Sie, erzählen Sie!

A. Gut. Also. Ein Mensch geht ins Kaffehaus und sagt zum Kellner: „Einen Kaffee, bitte.“.

Pause.

A. Hehe.

B. Wie?

A. Ja verstehen Sie das jetzt nicht?

B. Nein.

A. Ja verstehen Sie nicht? Im Kaffeehaus, da gibt’s doch verschiedene Kaffeesorten, verschieden Arten von Kaffee, da kann man nicht einfach hingehen und bloß einen Kaffee bestellen, da weiß ja keiner, was man will, man entblößt sich selbst dabei, verstehen Sie nicht, verstehen Sie nicht?

B. Ich teile halt nicht Ihren Humor.

A. Gehen Sie zum Karneval!

Ab.