Intertextualität III

David Kern, 15. August 2018

Ludwig Wittgenstein schreibt im „Tractatus Logico-Philosophicus“:

„Was denkbar ist, ist auch möglich.“

Tom Waits singt im gleichnamigen Lied:

„Everything you can think of is true.“


Intertextualität II

David Kern, 15. August 2018

Hoffmannswaldau schreibt in „Vergänglichkeit der Schönheit“:

Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen,
Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen,
Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

Tom Waits singt in „Get Behind The Mule“:

Pin your ear to the wisdom post
Pin your eye to the line
Never let the weeds get higher
Than the garden
Always keep a sapphire in your mind
Always keep a diamond in your mind


Kuriositätenkabinett V

David Kern, 15. April 2018

„Der Heimatbegriff ist für mich etwas, das mit Weltoffenheit zu tun hat.“

(Astrid Rössler, Die Grünen)


Notizen zum Tage (XVII)

David Kern, 3. April 2018

I. Bram Stokers irritierende Darstellung der Frau, wie sie in seinem Roman Dracula erscheint. Schenkt man seiner virilien Vorstellung Glauben, so ist die Weiblichkeit ein zwingend patriarchalisch ehrerbietiges Prinzip, die Frau ein ausschließlich von Gefühlen geleitetes Wesen, nicht imstande, für sich selbst zu sein. Stoker erinnert darin wie ein Kind, das nur seine Mutter kennt.

II. Das Gelächter der Revolutionäre: Die französischen Linken wussten, dass auf allen mittelalterlichen Bildern des Jüngsten Gerichts die Gerechten und Geretteten rechts, die Sünder und Widersacher links positioniert waren. Dieser Umstand sollte ihre Selbstbeschreibung gegen absolutistisches Gottesgnadentum symbolisieren.

III. Nachdem sich der Landgendarm „mit einer langsamen, friedlichen Bewegung seine Brille“ absetzte, verlor er sogleich „sein Beamtengesicht und sah genauso aus wie die Bauern am Tisch“. (Simenon, „Die Zeit mit Anais“)


Freud’scher Vertipper

David Kern, 27. März 2018

In einer Erratum-Notiz in tv-media lese ich, es habe sich in einem Artikel der Vorwoche „auf ganz leisen Sohlen ein Freud’scher Vertipper“ „eingeschlichen“. Der Leser nun erwartet, der Fehler sei Folge einer unterdrückten, überbordenden Sexualität des Artikelschreibers gewesen, dessen Gelüste sich nur in einer Fehlleistung innerhalb eines öden Artikels über, sagen wir, eine Dokumentation trister Altersheime Bahn brechen konnte, denn immerhin ist die Rede von einem „Freud’schen Vertipper“, auch wenn es strenggenommen nur einen „Freud’schen Versprecher“ gibt.

Die freud’sche Ahnungslosigkeit des Verfassers der Erratum-Notiz kühlt einen allerdings rasch ab. Der Fehler bestand lediglich in der Verwechslung des Fernsehsenders. Nicht auf xy, sondern auf yy sei die Sendung gelaufen. Man bitte um Verzeihung.

Vielleicht steht ja in einer Woche in der nächsten Erratum-Notiz, dass man sich auch in der Bedeutung eines Freud’schen Versprechers vertan habe.


Malthus-Theorem

David Kern, 26. März 2018

Das von Thomas Malthus 1798 vertretene Malthus-Theorem geht davon aus, dass sich die Natur von selbst letal durch Erdkatastrophen, Seuchen etc. um den zunehmenden Bevölkerungszuwachs kümmere.

Noch heute erinnere ich mich fassungslos an eine alte Dame, die im Gespräch über den Pauverismus in Afrika davon sprach, dass es sich bei Seuchen und der dort waltenden hohen Sterblichkeit um Gottes Wille handele, der dadurch die Bevölkerungsdichte reguliere. Die alte Dame wendete unbeabsichtigt das Malthus-Theorem an, ersetzte die „Natur“ mit „Gott“. Dann trank sie die Kaffeetasse leer und setzte sich in den Ohrensessel vor den Fernseher.


Irrtum

David Kern, 8. März 2018

In einem Leitartikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über öffentlich-rechtliche Rundfunkgebühren steht der himmelschreiend irrige, haarsträubend verantwortungslose und beispiellos märchenhafte Satz –

„Die Bürger sind aufgeklärt genug.“

Jeder Fingerzeig, jede politische Wahl, jede gesellschaftliche Abstimmung, jeder Zeitungsartikel belegt das Gegenteil.

 


Churchill und die Plebejer

David Kern, 3. März 2018

Im Film „Die dunkelste Stunde“ über den Eintritt Englands in den Zweiten Weltkrieg unter Führung Winston Churchills gibt es eine Szene, die in all ihrer Befremdlichkeit einen grundsätzlichen Trugschluss im Verständnis demokratischer Politik in kinoplakativer Darstellung offenbart.

Churchill, hin- und hergerissen zwischen seinem Vernunftwillen, gegen Hitler in den Krieg zu ziehen, und den parlamentarischen Rufen, doch lieber mit ihm zu verhandeln und keine (englischen) Menschenleben aufs Spiel zu setzen, zieht es weg von seinen diplomatischen Beratern hin zum Volk. Die Frage, Was denkt eigentlich das Volk?, treibt ihn an und er fährt anstatt mit dem Chauffeur mit der Ubahn in die Westminster Abbey. Abgestiegen in die Atmosphäre des einfachen Alltagsmenschen wird er, der mächtige Politiker, angestarrt und ihm ehrfurchtsvoll der Platz überlassen. … Fortsetzung …


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