Sternschnuppe

David Kern, 23. Juli 2017

Es heißt, das Wünschen könne nur jene Dauer währen, in der die Sternschnuppe über unserm Haupt in Erscheinung tritt. Dem Erwünschen liegt also nur innerhalb der begrenzten kurzen Dauer ihres Auftritts die Möglichkeit inne, wirklich zu werden. 

Es ist nun so, dass die überrumpelte Seele es nicht vermag, innerhalb dieses Bruchteils eines Moments zugleich der Sternschnuppe gewahr zu werden und einen Wunsch zu formen, dessen Wirklichwerdung das Herz ersehnt. Die Konsequenz daraus ist, dass die Sternschnuppe stets vorübergegangen sein wird, wenn der Wunsch gedacht ist. Der Wunsch kann damit niemals in Erfüllung gehen.

Das ist die Weise der Mythen. Sie schüren Hoffnungen, müssen aber nie dafür einstehen.


Die Ochlokratie der Suchmaschinen

David Kern, 18. Juli 2017

Einst hieß es, im Internet, etwa beim Gebrauch von Suchmaschinen, seien Versalien tot. Es ergab sich, dass man bei der Eingabe von Wörtern keine Großbuchstaben mehr brauchte, dass die Suchmaschine darin keinen Unterschied mehr kannte. Mir schien dies ein Verlust zu sein. Denn die mangelnde Notwendigkeit des großen Anfangsbuchstaben führte zu einer ubiquitären Kleinschreibung, sich ausweitend auf unterschiedliche Bereiche des Lebens – nicht einer künstlerischen Entscheidung, sondern einer schlichten Bequemlichkeit wegen.

Umso erfrischender ist es zu sehen, dass es bei einer Synonymseite seit einiger Zeit notwendig ist, etwa bei einem Substantiv dieses mit einem Anfangsmajuskel zu schreiben, will man ein richtiges Ergebnis erzielen. Beglückt stelle ich mir darin eine Art Rache am buchstabenplanierenden Gebrauch von Wörtern bei Suchmaschinen vor, die insofern ochlokratischen Prämissen gehorchen, als dass sie einen Kotau vor dieser Bequemlichkeit vollführen, und schreibe auch dort nun alles wieder groß.

 


Lies was G’scheits

David Kern, 1. Juni 2017

Der Slogan und zugleich die Aufforderung einer Werbelinie der „Oberösterreichischen Nachrichten“, einer Zeitung, die Boulevard, verdeckte Werbung und Lebenshilfegartenkultur schonungslos zu einem Brimborium pflichtvergessenen Allerleijournalismus‘ brüht und dabei die niedersten Lesegewohnheiten zu bedienen weiß – der Slogan also, dialektal anbiedernd:

„Lies was G’scheits!“

kann nur zynisch gemeint sein.


Tom Waits

David Kern, 7. Dezember 2016

In Anlehnung an die ‚Peanuts‘

sei der Liebsten zugerufen

Happy Tom Waits-Day!


Daniel Costantino – Aus der neuen Welt

Daniel Costantino, 22. November 2016

Bucher

Kennen Sie Bucher? Kennen Sie Bucher nicht auch? Nein, den andern, wissen Sie, den andern. Sie meinen ja Huber, welcher seinerzeit mit Bucher diese völlig neuen Dings, äh, Gara… ja, genau, eben mit dem. Mit Bucher! Ich weiss garnicht, ob der nicht gestorben ist. Haben Sie nichts gehört? Ich glaube, ich habe es gelesen. Bin mir aber nicht mehr sicher. Vielleicht habe ich sonstwas über ihn gelesen, das wäre auch möglich. Ich krieg’s nicht mehr zusammen. … Fortsetzung …


Daniel Costantino – Aus der neuen Welt

Daniel Costantino, 7. November 2016

Bedürfnisse im Wäscheberg

und andere Wortbündel

Was sich nicht alles bündeln lässt seit neuem. Kanäle – gut, die Technik. Linien. Aber das Marketing und die Einkaufspower. Ganze Bereiche und Kompetenzen, sogar die Kultur. Alles gebündelt heutzutage. Und täglich wird’s mehr. Schon liest man über die Bündelung auszuschöpfenden Knowhows von Kompetenzzentren. Der Feuilletonist, stets uptodate und Leidenschaft fürs Kreative, pickt‘s dankbar auf und papageit den neusten Schrei wo er leibt und schreibt unters Volk. … Fortsetzung …


Daniel Costantino – Aus der neuen Welt

Daniel Costantino, 24. Oktober 2016

Frau Burkhalters bereichernder Blick auf die Welt

Die Neue Zürcher Zeitung hat unter dem Titel „Zeichen der Öffnung“ einen Gastkommentar der Dozentin Katrin Burkhalter publiziert, welcher mit folgenden Worten beginnt:

>Sprachen bereichern unseren Blick auf die Welt. Denn Sprache ist kein neutrales Gedanken-Vehikel, sondern transportiert immer eine gewisse Art des Zugriffs auf die Dinge. Unterschiedliche Sprachen kategorisieren unterschiedlich. Eine Öffnung zur Welt verträgt sich nicht mit der Beschränkung auf eine einzige Sprache. Öffnung zur Welt heisst ja bei weitem nicht nur, in der Türkei Badeferien zu machen und dort Englisch zu sprechen. Die Welt ist vielmehr gemeinsame Teilhabe an Geistig-Abstraktem, also gemeinsames Nachdenken und Sprechen über systematisiertes Wissen jenseits des sozialen Nahraums.< … Fortsetzung …


Virilität

David Kern, 18. Oktober 2016

Beim Einkauf zum heimischen Heimwerken stehe ich plötzlich vor einer Reklame, die das hauseigene Magazin des Baumarkts anpreist.

Es heißt Macher und trägt die Werbezeile: „116 Seiten Wille, Stolz und Leidenschaft.“ … Fortsetzung …


« Neuere Einträge Ältere Einträge »